Bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokio erregte ein offenes kleines Vehikel das besondere Interesse der Besucher aus dem fernen Land der VW-Käfer. Martin Lauer, Europameister im Hürdenlauf, hatte als einer der ersten das Vergnügen, mit dem bewunderten Winzling durch den ungewohnten Linksverkehr zu kutschieren, der damals noch geprägt war von wenig ansehnlichen Nachbauten amerikanischer Vorbilder. S 600 hieß der Sportwagen einer gewissen Firma Honda, von der man bis dahin bestenfalls Motorräder kannte. Der S 600 war mit einem aberwitzig hochdrehenden Motor mit einer Leistung von 57 PS (bei 8000 Umdrehungen pro Minute) ausgerüstet und begeisterte die Deutschen durch seine pfiffige Karosserie.

22 Jahre später ist Honda auch für die Bundes: deutschen ein gestandener Autohersteller, der ihnen mehr als 37 000 Autos im Jahr verkauft und kräftig mithilft, den Anteil aller neun Automarken aus Fernost auf knapp 14 Prozent anzuheben – nach eigenem Bekunden als Vorsorge für die neunziger Jahre, wenn auf dem „am härtesten umkämpften Automarkt der Welt“ vor allem um Anteile gerungen wird, wie Nissan-Geschäftsführer Harald Wulff meint. Die moderne Zeitrechnung begann für die Japaner in der Bundesrepublik im Jahr 1978, als sie erstmals fast 100 000 Autos verkaufen konnten und damit 3,7 Prozent Marktanteil hatten. Ihr Erfolg in den ersten Jahren ist um so erstaunlicher, als sie zunächst fast nur automobile Biedermänner anbieten konnten, die von der Originalität eines Honda S 600 weit entfernt waren.

1985 verkauften sie schon über 316 000 Fahrzeuge und hatten damit einen Marktanteil von 13,3 Prozent. Die drei großen Japaner Toyota, Nissan und Mazda legten Zuwachsraten von 15,2, neun und 5,2 Prozent vor – übertroffen nur noch von Peugeot (plus 27,7) und Daimler-Benz (plus 17,1). Ein beinahe beispielloser Aufstieg.

Marktstrategen wie der frühere Ford-Verkaufschef und VW-Vorstandsvorsitzende Toni Schmücker warnten vor den innovativen Fähigkeiten der Kollegen in Asien und empfehlen den inländischen Herstellern, sich warm anzuziehen, sprich: auf technischem Gebiet nicht zu schlafen. VW hatte auf seinem wichtigsten Exportmarkt USA in den siebziger Jahren zu spüren bekommen, zu welchen Leistungen japanischer Tatendrang in einem liberalen Klima fähig ist.

Der schnelle Start in der Bundesrepublik glückte den japanischen Firmen zunächst mit komplett ausgestatteten, billigen Klein- und Mittelklasseautos. Heute besetzen die flinken Autobauer auch andere Marktnischen mit Erfolg: ob Gelände- oder Familienauto, Sportwagen oder Luxuslimousine – gleichsam wie der Zauberer das Kaninchen aus dem Hut, holen die Japaner immer neue Automodelle aus ihren schier unerschöpflichen Baukästen hervor. Wenn in Deutschland noch gerechnet wird, ob es sich wohl lohnt, sind die Japaner mit dem neuen Modell schon da. Ihre enorme Flexibilität in der Produktion erlaubt es, jede Mode und jeden Trend mitzumachen. Trendsetter allerdings sind sie nur selten, und der rasche Modellwechsel, der nicht selten nur ein Face-lifting ist, hat einen unübersehbaren Nachteil: Das Auto von gestern sieht heute auch in der Gebrauchtwagen-Preisliste sehr alt aus.

Wenn es auf einem Gebiet nicht gelingt, die Konkurrenz zu überflügeln, wird sie schlicht und ohne Scheu vor Kritik kopiert: so jüngst geschehen im Fall des neuen Wankelmotor-Mazda RX 7, der dem Porsche 944 nach dem Urteil einer Fachzeitschrift „täuschend ähnlich“ ist. Manchmal geht das schief. „Als wir den Sierra tatsächlich mit der abgerundeten Karosserie herausbrachten, waren unsere Kollegen in Japan ziemlich überrascht“, sagte Ford-Chefdesigner Uwe Bahnsen, „sie hatten bis zuletzt geglaubt, wir würden das nicht wagen, sondern eine kantige Linie vorziehen. Und jetzt sehen sie sich die neuen Modelle aus Japan an: kantig.“

Mit einem Blick auf den ständig steigenden Anteil der Autoimporteure sagt Ford-Pressesprecher Rainer Nistl: „Man könnte sagen, daß unser derzeitiger Anteil von knapp elf Prozent an den Zulassungen in der Bundesrepublik für ein Unternehmen dieser Größe ungenügend ist.“ Ford hat seinen dritten Platz in der Zulassungs-Statistik der Bundesrepublik derzeit an Daimler-Benz abgetreten.