Von Justin Westhoff

Kennen Sie Cosmopolitan? Das ist eine Frauenzeitschrift klassischer Art, nur etwas „stilvoller“ als andere, insgesamt nachgerade ein Sinnbild dessen, was gerne „bürgerliche Presse“ geheißen wird.

Kennen Sie Volkmar Sigusch? Der Frankfurter Professor kann als führender Kopf der bundesdeutschen Sexualwissenschaft gelten, intellektuell, persönlich sympathisch, ein linker Humanist.

Konkret ist jenes Magazin, das sich als „progressives“ Gegenstück zum Spiegel versteht. Konkret hat ein „Sonderheft Sexualität“ herausgegeben, Titel: „Operation Aids – Das Geschäft mit der Angst – Sexualforscher geben Auskunft“ (was sie dann aber doch nicht tun). Als Co-Herausgeber firmiert Volkmar Sigusch. Er schreibt: „Die bürgerliche Presse ist weder hysterisch noch paranoid. Sie ist nicht krank, sie macht krank. Gefühllos kalkuliert sie ihre Geschäfte mit der Angst vor der ‚Todesseuche‘, die sie eigens dazu fabriziert, mal zynisch, mal sentimental, wie es gerade kommt. Hauptsache, die Kasse stimmt.“

In eben jener bürgerlichen Presse, im schicken Cosmopolitan gibt jetzt Sigusch seine Sicht der Aids-Dinge in Interviewform zum besten. Komprimiert wird da wiederholt, was deutsche Sexologen, Sigusch an der Spitze, so meinen, seitdem es das erworbene Immundefekt-Syndrom gibt. Tenor: erstens ist alles halb so schlimm. Zweitens stellt Aids die willkommene Gelegenheit zur Re-Diskriminierung von Minderheitendar. Drittens macht „die“ Presse (wer wird denn da differenzieren) aus eindeutigen Interessen heraus Panik.

Dies ist auch die Botschaft auf 100 Konkret-Sonderseiten. Als einziger Vertreter einer sachgerechten Auffassung kommt Rosa von Praunheim zu Wort. Aber der ist ja auch kein Wissenschaftler, sondern nur „Betroffener“ und ein reflektierender Filmemacher. Martin Dannecker, Sexualwissenschaftler ebenfalls aus Frankfurt, windet sich in einem Streitgespräch mit Praunheim wie ein Aal, wenn es um die Frage geht: Was hältst du denn nun vom „safer sex“, neben Enthaltsamkeit der einzigen Möglichkeit der Ansteckungs-Verhütung? Praunheim („Ein Virus kennt keine Moral“) bezieht Stellung: „Wir haben eine Verantwortung zu übernehmen ... Dein Verhalten in der Öffentlichkeit ist verharmlosend und nicht konstruktiv. du entziehst dich und förderst damit die Krankheitszahlen.“