Hafez el-Assad ist stets für eine Überraschung gut. Erst half der syrische Präsident den Amerikanern bei der Freilassung der TWA-Passagiere, die in Beirut festgehalten wurden (wofür er sich ein Dankschreiben Präsident Reagans einhandelte), dann ließ er dem Chefterroristen Abu Nidal freie Hand für dessen blutige Anschläge in Rom und Wien (höchstwahrscheinlich auch bei dem Attentat in der Berliner Diskothek „La Belle“). Assad, der kühle, vergleichsweise rationale arabische Politiker, ein verläßlicher Staatsmann?

Nicht einmal die Araber selber kennen sich mit dem Fuchs Assad aus. Einmal schlägt er sie, ein anderes Mal küßt er sie. König Hussein weiß ein Lied davon zu singen. Gerade mit ihm aber will er sich wieder aussöhnen, nach bald zehnjähriger Gegnerschaft.

Wie lange wohl mag die neue Freundschaft zwischen dem König und dem Präsidenten halten? Solange Syrien von einigen arabischen Staaten als Störenfried betrachtet wird (wie jetzt wieder nach dem auch von Damaskus betriebenen Scheitern einer Gipfelkonferenz im marokkanischen Fes)? Oder solange Assad sich innenpolitischer, vor allem wirtschaftlicher Schwierigkeiten erwehren muß? Oder aber solange er allein steht (in unmittelbarer Nachbarschaft zu Israel) an vorderster Kriegsfront? Wer weiß, ob die syrisch-jordanische Annäherung nicht alsbald wieder in gegenseitige Verweigerung umschlägt, sollten diese Probleme für Damaskus aus dem Weg geschafft sein.

Gerade König Hussein, der vor einiger Zeit erst mit Assads Hauptrivalen, dem irakischen Präsidenten, Küsse tauschte, hat von der syrischen Liaison nur wenig zu gewinnen. Er will keinen Krieg mit Israel, keinen Systemwechsel, keinen islamischen Fundamentalismus, der vom Iran gesteuert wird und gegen den er dem Irak mit Waffen aushilft. Im günstigsten Fall kann er sich etwas Ruhe verschaffen – an seiner Nordgrenze, wo Assad immer wieder einmal seine Armee in bedrohlicher Pose aufmarschieren ließ, oder im Innern, wo syrische Agenten dann und wann Umsturzaktionen anzettelten.

Arabische Feindschaften, arabische Freundschaften – wer kennt sich da noch aus. Sie kommen und gehen wie Wüstenwinde. D. St.