Zu schade

Der Zorn aller braven Amerikaner über die tatsächlichen oder vermeintlichen Untaten des Muammar al-Ghaddafi bedroht die Wiederwahlchancen eines erzkonservativen Politikers. Steve Symms, republikanischer Senator aus Idaho, muß sich für ein Photo aus dem Jahr 1977 rechtfertigen, das ihn im freundlichen Gespräch mit dem libyschen Machthaber zeigt. Symms war damals nach Tripolis gereist, um den Libyern Weizen aus Idaho zu verkaufen. Business as usual, was aber den demokratischen Gegenkandidaten des Senators heute nicht daran hindert, eine halbe Million Abzüge des Photos aus Tripolis im Lande zu verschicken, um die Vaterlandslosigkeit des Republikaners zu beweisen. Symms versucht nun, seine nationale Zuverlässigkeit mit markigen Sprüchen zu beweisen, etwa zur Katastrophe von Tschernobyl: „Zu schade, daß das nicht näher am Kreml passiert ist!“

Kammer und Küche

Die „Hälfte des Himmels“ hatten Chinas Kommunisten einst den Frauen versprochen. Die Partei propagierte das Ideal der gleichberechtigten Werktätigen. Selbstbewußt und radikal brach sie mit der konfuzianischen Tradition. Die Wirklichkeit hinkte dem Parteiwillen indes hinterher: Die Frauen blieben in vielerlei Abhängigkeit von Familie und Ehemann. Nun scheint es, als ziehe es die chinesischen Frauen von Büro und Fabrik wieder zurück in Kammer und Küche. „Eine Frau, die den Haushalt führt und die Kinder aufzieht, dient der Gesellschaft mehr, als eine, die außerhalb des Hauses beschäftigt ist“, schrieb die 45 Jahre alte Pekinger Ingenieurin Li Wanzhuang an die chinesische Frauenvereinigung. Was wie eine gesellschaftliche Wende rückwärts anmutet, hat vor allem wirtschaftliche Gründe: In der Volksrepublik wächst die Arbeitslosigkeit, viele Frauen finden keinen Job. Immer mehr treten dafür in den Dienst wohlhabender Familien. In besseren Kreisen wird die Haushälterin zum Statussymbol. Geht die von Deng Xiaoping verkündete „zweite Revolution“ an den chinesischen Frauen vorbei?

Gift-Geld

Boliviens Drogenhändler haben 1984/85 etwa fünfmal mehr – nämlich rund 5,74 Milliarden Dollar – verdient, als der arme Andenstaat an offiziellen Exporten einnahm (rund eine Milliarde Dollar). Gut 1,5 Milliarden fanden den Weg nach Bolivien zurück, 800 Millionen gerieten in den Geldkreislauf. Damit wurde wohl, so folgert der für den bolivianischen Senat aufgestellte Bericht, die Rezession etwas abgemildert – doch der Staat kam zu kurz und deckte sein Haushaltsdefizit mit der Notenpresse. Unter der Inflation leidet die Bevölkerung, die nicht über Dollars aus dem Drogenhandel verfügt.

Ein Konvertit

Fünfzehn junge Araber im israelisch besetzten Westjordanland wollen Juden werden, und zwei von ihnen sind bereits vor den rabbinischen Behörden zum Judentum übergetreten. Das teilte der Vorsitzende des jüdischen religiösen Rates der Siedlerstadt Kirjat Arba bei Hebron mit – die Namen der beiden Konvertiten wollte er freilich geheimhalten, wahrscheinlich aus gutem Grund: Einer der beiden arabischen Juden ist ein Enkel von Ali al-Dschabari, dem früheren Bürgermeister von Hebron. Der junge Mann, heute ein streng orthodoxer Jude, wäre ein sicherer Kandidat für einen Mordanschlag islamischer Fundamentalisten, würde seine heutige Identität bekannt. Denn die Übertritte junger Palästinenser zum Judentum sind natürlich Einzelfälle; strenggläubige islamische Religiosität dagegen findet auf der West Bank mehr und mehr Verfechter.