„Müllers Büro“ von Niki List

Privatdetektiv Max Müller ähnelt einem Vorstadt-Strizzi. Er zwängt sich in knappe Flügelhemdchen, auf seinen Schuhsohlen prangt in großen Lettern das Wort „Hero“, und naht ein Rendezvous, dann sprüht er sich schnell eine Ladung Deo in die Unterhose.

„Mein Name“, so stellt sich Müller seiner schönen Klientin (Barbara Rudnik) vor, „ist Philip Marlow, aber sag’ ruhig Boris zu mir.“ Die Güte der Gags bleibt so. Man soll lachen, nur weil eine Kneipe „Fuck Inn“ heißt, der Detektiv gelegentlich zum Joint greift und dann in Herz-und-Schmerz-Geträller ausbricht.

Eine neudeutsche, Parodie auf die Helden von Hollywoods Schwarzer Serie war es wohl, was der Österreicher Niki List mit „Müllers Büro“ im Sinn hatte. Angerichtet hat er eine Krimi-Klamotte, deren humoristisches Niveau zwischen Parterre und Souterrain pendelt. Sven Michaelsen

„Meier“ von Peter Timm

Ein winziger Mangel trübt die Freude der Arbeiter, Bauern und Funktionäre an den Segnungen des real existierenden Sozialismus: In der ganzen Republik gibt es keine ordentlichen Tapeten, nur scheußliche Rauten- und Blümchenmuster. Ede Meier, der Chef einer Tapezier-Brigade, weiß sich zu helfen: Vom väterlichen Erbe hat er sich einen gefälschten Westpaß gekauft. Mit dem fährt er täglich von Berlin-Ost nach Berlin-West, um im Heimwerkermarkt die guten Rauhfasertapeten zu erstehen. Seinen Vorgesetzten aber, die mißtrauisch sind, erzählt er von einer neuartigen Maschine, die Blümchenmuster in Rauhfaser verwandle. Wofür er prompt, vom Staatsratsvorsitzenden persönlich, zum „Helden der Arbeit“ gekürt wird.

Peter Timm, der auch aus dem Osten kam, ist ein Held des Humors. Den real existierenden Mangel an guten deutschen Kinokomödien bekämpft er mit revolutionärem Elan: Timm hat nicht nur witzige und präzise Dialoge geschrieben („Meier“ ist fest verwurzelt im proletarischen Alltag), er beherrscht auch die Kunst, Gags nur in Bildern zu erzählen. Zudem hat Timm die Ökonomie der Komödie und die Dialektik des Lachens sorgfältig studiert.