Wegen der Asylantenflut muß nicht gleich ein Grundrecht geopfert werden

Von Hans Schueler

Deutschland im Sommer 1986: Ein geteiltes Land macht sich häßlich. Und es ist schwer zu sagen, ob die kommunistische Diktatur im Osten oder die freiheitliche Demokratie im Westen mehr dazu beiträgt, das Bild der Deutschen zu verfinstern.

Auf dem Ostberliner Flughafen Schönefeld landen die Jets der DDR-Gesellschaft Interflug massenhaft menschliche Fracht aus den Elendsländern der Dritten Welt an – junge Iraner jetzt vor allem, die sich der Zwangsrekrutierung für den Krieg der Ajatollahs gegen den Irak entziehen wollen, Ghanaer und Nigerianer, die auf eine bessere Zukunft im goldenen Westen hoffen, und Inder.

Die DDR freilich hat mit ihren zahlenden Passagieren nichts anderes im Sinn, als sie auf schnellstem Wege nach West-Berlin abzuschieben. Sie werden mit Bussen zum Bahnhof Friedrichstraße gekarrt und dort in die S-Bahnzüge verfrachtet, die sie ohne Halt und Kontrolle über die Sektorengrenze in den Westen der Stadt bringen.

Bei uns aber wissen die Ausländerbehörden in Berlin und Helmstedt nicht mehr wohin mit den Hunderten von Ankömmlingen. In West-Berlin prügelten sich rechtsradikale Skinheads mit der Polizei, die den Ausländern Schutz gewähren mußte; sie in die DDR zurückzuschicken, ist nicht möglich. Allenthalben regen sich auch ehrbare Bürger auf; Überfremdungsfurcht macht sich breit; und rechts von der Mitte unseres politischen Spektrums wird wieder kräftig am Asyl-Artikel des Grundgesetzes gerüttelt.

Geschäft mit Verfolgten