Das doppelte Deutschland im Ausland

Die beiden deutschen Kulturinstitute in Stockholm und Helsinki Von Rudolf Walter Leonhardt

Es war einem Referat des CSU-Vorsitzenden und Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß, das er am 12. Juni 1986 vor der Regionalkonferenz des Goethe-Instituts verlesen hatte, zu danken, daß sich der Bundestag einmal wieder mit der deutschen Kulturpolitik im Ausland beschäftigt hat. Allzu häufig geschieht derlei ja nicht.

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Auf manches Richtige und vieles Falsche, was von Franz Josef Strauß und danach von einem Dutzend Bundestagsabgeordneter gesagt worden ist, muß heute nicht eingegangen werden.

Wir konzentrieren uns auf einen Aspekt. Wenn wir keine „Wende" auch in unserer auswärtigen Kulturpolitik vollzögen, hatte Strauß behauptet, dann stünden die „Herder-Institute der DDR" „zu Diensten". „Die hellen und festlichen Farbtöne, mit denen die DDR ihr Land im Ausland malt, werden auf Dauer erfolgreicher sein als die düstere Götterdämmerungspalette der Bundesrepublik Deutschland. Da hilft es gar nichts, sich auf Aktualität und Objektivität zu berufen."

Das wollten wir genauer wissen. Wir haben nachgeholt, was Franz Josef Strauß und sein Redenschreiber offensichtlich versäumt haben: Wir haben uns die Kulturinstitute der DDR angesehen in den drei Städten, in denen sie mit Goethe-Instituten der BRD konkurrieren: in Stockholm, in Helsinki und in Paris. Das hat einige Zeit gedauert. Dafür wissen wir manches jetzt auch etwas genauer, als es politische Polemik wahrhaben will.

Da ich mich auf so viel „Objektivität" wie möglich „berufen" können will, obwohl das laut Strauß gar nichts hilft, werde ich vom Restbestand des Alleinvertretungsanspruchs keinen Gebrauch machen, also nicht von „Bundesrepublik Deutschland" auf der einen, „DDR" auf der anderen Seite schreiben. Wenn schon abgekürzt werden soll, dann hüben wie drüben. Im übrigen bietet es sich an, dem Sprachgebrauch der Gastgeberländer Schweden, Finnland und Frankreich zu folgen, also von „ostdeutsch" und „westdeutsch" zu reden, was zwar historische wie geographische Probleme aufwirft, jedoch auch schlicht auf den nicht zu leugnenden Zustand hinweist, daß von den beiden real existierenden deutschen Staaten der eine im Osten und der andere im Westen liegt.

Den vermutlich an journalistisches Recherchieren wenig gewöhnten Zulieferern von Franz Josef Strauß ist einzuräumen: Es wird einem verdammt schwer gemacht, über die Kulturinstitute der DDR etwas zu erfahren.

Recherchen beginnen im Archiv. Anruf dort: „Könnten Sie bitte einmal herausfinden, was es zum Thema ,Kulturinstitute der DDR' gibt?" Zu den meisten Themen liefert unser Archiv dem Reporter einen Packen Papier, an dem er schwer zu tragen und lange zu lesen hat. Diesmal gab es nur fünf eher wenig sagende Artikelchen über die Eröffnung des Kulturinstituts der DDR in Paris.

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  • Von Rudolf Walter Leonhardt
  • Datum 19.9.1986 - 13:00 Uhr
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  • Quelle DIE ZEIT, 19.09.1986 Nr. 39
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