Berlin: Der Bruder und die Botschaft
Ahnad Hasi, der Bruder des in London verurteilten Terroristen Hindawi, wartet in Berlin auf seinen Prozeß wegen eines politisch mofvierten Sprengstoffanschlags. Mitte November werden in Berlin die beiden Jordanier Ahmad Nawaf Mansour Hasi und Farouk Salameh vor Gericht stehen. Beke geben zu, am 29. März 1986 einen Sprengstoffanschlag auf das Büro der Deutsch-Arabischen Gesellschaft in Berlin-Kreuzberg verübt zu haben, bei dem sieben Personen zum Teil schwer verletzt wurden. Hasi ist ein Bruder jenes Nezar Hindawi, der jetzt in London wegen des versuchten Sprengstoffanschlags auf ein israelisches Flugzeug zu 45 Jahren Haft verurteilt wurde. Wie in London sind auch in den Berliner Fall offenbar syrische Diplomaten verwickelt. Hasi hat seinen Vernehmern mitgeteilt, er habe den Sprengsatz aus der syrischen Botschaft in Ost-Berlin geholt; Drahtzieher und Auftraggeber der gesamten Berliner Aktbn war Hindawi. Nach den Aussagen der Beschuldigten hat sich folgendes abgespielt: Anfang dieses Jahres hatten die beiden jordanischen Brüder ein Gespräch mit dem Geschäftsführer der Deutsch-Arabischen Gesellschaft. Diese Gesellschaft wurde Ende 1974 gegründet, hat rund zwanzig Mitglieder und verfolgt laut Satzung das Ziel, die deutsch-arabische Freundschaft zu pflegen und die beiden Kulturkreise einander näherzubringen. In dem Gespräch weigerte sich der Vorsitzende der Gesellschaft, radikale Palästinenserorganisationen zu unterstützen; er wies mehrfach auf den unpolitischen Charakter der Arbeit seines Büros hin. Bei den beiden Jordaniern entstand daraus der Verdacht, die Gesellschaft arbeite mit Israel zusammen.
Ende Februar rief Hindawi aus London seinen Bruder in Berlin an und beauftragte ihn mit dem Anschlag auf das Büro in Kreuzberg. Die Bombe sollte Hasi bei der syrischen Botschaft holen. Dort erhielt er von einem Botschaftsangestellten einen Diplomatenkoffer, der zunächst in einem Ostberliner Schließfach deponiert und später auf Umwegen nach West-Berlin geschafft wurde. Die Bombe wurde zweimal in einem Pappkarton vor dem Büro abgestellt, explodierte jedoch nicht. In Hindawis Auftrag reparierte dann ein bis jetzt unbekannter Araber, nach Meinung von Hasi offenbar ein Syrer, den Zündmechanismus. Der dritte Versuch führte dann zur Explosion der Bombe.
Hasi wird nach wie vor verdächtigt, auch an dem Bombenanschlag auf die Berliner Diskothek „La Belle" am 5. April beteiligt gewesen zu sein, bei dem drei Menschen starben - darunter zwei amerikanische Soldaten - und 230 verletzt wurden. Der „La-Belle"-Anschlag löste den amerikanischen Luftangriff auf Libyen im April aus.
Die Ermittlungen in dieser Sache dauern noch an, doch sind die konkreten Anhaltspunkte gegen Hasi hier wohl gering. Beiden Anschlägen ist gemeinsam, daß der verwendete Sprengstoff rückstandsfrei verpuffte. Trotz dieses Verdachtsgrundes bestreitet Hasi jede Beteiligung am Anschlag auf die Diskothek. Joachim Nawrocki (Berlin)
War nicht der „Archipel Gulag" ursprünglicher als Auschwitz? Mit dieser Frage stellte sich der Historiker Ernst Nolte ins Zentrum heftiger Kritik. Jürgen Habermas warf ihm und anderen Zeitgeschichtlern in einem Beitrag für die ZEH „apologetische Tendenzen" vor. In dieser Ausgabe erhält Ernst Nolte das Wort. Nächste Woche: Jürgen Habermas.
- Datum 31.10.1986 - 13:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 31.10.1986 Nr. 45
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