Der deutsche Aktienmarkt ist jederzeit für Überraschungen gut. Zu einem Zeitpunkt, als niemand damit rechnete, begannen Ausländer den deutschen Aktienmarkt erneut zu entdecken. In ausgesuchten Spitzenpapieren legten sie erhebliche Beträge an und nahmen dabei zum Teil kräftige Kurssteigerungen in Kauf. In diese Bewegung hinein kauften die in Liquidität schwimmenden inländischen institutionellen Anleger, vor allem Versicherungen, so daß fast der gesamte Aktienmarkt nach oben in Bewegung geriet.

Die Motivforschung für die plötzliche „Wende“ ist schwierig, von der allerdings niemand zu sagen vermag, ob sie von Dauer sein wird. Die deutschen Banken wollen allerdings so etwas wie eine „Vorwahl-Hausse“ ausgemacht haben.

Daß auf der Anlegerseite hauptsächlich Profis stehen, macht die Auswahl der gekauften Papiere deutlich. Es geht fast ausschließlich um Gesellschaften, bei denen 1987 mit steigenden Unternehmenserträgen gerechnet werden kann. Im Mittelpunkt standen wieder Siemens, Daimler, Henkel, Schering und auch die Deutsche Bank.

Die Aktien der Großchemie litten mehrere Tage unter den psychologischen Nachwirkungen der sich häufenden Störfälle in ihrem Bereich. Nicht ohne Grund wird befürchtet, daß die chemische Industrie neue kostspielige Umweltschutzauflagen zu finanzieren haben wird. Dennoch sehen Anleger, die „gegen den Strom“ zu investieren pflegen, auch bei der BASF, Bayer und Hoechst noch lohnende Kurschancen. K. W.