Berlin

Der Berliner Bär wurde zum erstenmal im Jahre 1280 gesichtet. Damals erschien er im Siegel eines Gildesbriefes der Kürschner. Im Laufe der Jahrhunderte stieg er zielstrebig zum Wappentier auf, stand schließlich Modell für Meilensteine im Bundesgebiet und für die Bronzeplastik von Renée Sintenis an der Autobahneinfahrt. Nach wie vor ist der „Goldene Bär“ begehrter Preis der Filmfestspiele.

Nun bereitet einer der Staatsdiener aus dem Haus des Senators für Gesundheit und Soziales einen weiteren Bären-Auftritt vor – als gewichtigen Beitrag zum 750. Geburtstag Berlins im nächsten Jahr. Professor Peter Kliem, Leiter der Sozialen Künstlerförderung bei Senator Ulf Fink, sucht per Wettbewerb unter Berliner Künstlern einen Bären, farblos, der einerseits aus leichter Plastikmasse, andererseits „charakteristisch, standfest, witzig, berlinisch“ sein soll. Was auch immer dabei herauskommen mag: Ist das Ur-Exemplar gefunden, soll es vervielfältigt und dann in 750facher Ausfertigung, in Lebensgröße und aus wetterfestem Material, die Stadt erobern. „Bären sollen sitzen, stehen, liegen, kleben“ vor Theatern, Kaufhäusern, Brunnen, Bahnhöfen, Häuserfassaden, in Bussen und Läden, auf Straßenbäumen und möglicherweise auch auf den Pissoirs. Ihr Zweck ist, bemalt zu werden von jung und alt, von wem auch immer, möglichst farbenfroh und witzig. Meister Kliem stellt sich vielerlei Bären vor, musizierende und beißende, leuchtende und liebende; amerikanische, britische, braune, rote .. Managerbären, Asylantenbären, russische Bären.

Als „Kunstobjekte“ soll man sie auch in die Wohnung holen können – für 750 Mark. Vorausgesetzt, das Festkomitee hat nicht in letzter Minute doch noch ein Einsehen und bläst die Bärenjagd ab. Dieter Pawlowski