An Gesprächskreisen ist kein Mangel – sie kommen und gehen wie die Moden in der Politik, der Kunst oder der Textilbranche. Aber der Bergedorfer Gesprächskreis mit seinen nationalen und internationalen Konferenzen, in diesem Jahr sein 25jähriges Bestehen feiern konnte, ist 1986 noch genauso frisch und anregend wie in seinem ersten Jahr. Nie gab es Zeichen nachlassender Spannung oder beginnender Langeweile.

An den Gesprächen teilzunehmen, ist begehrt wie eh und je. Wer auch immer von Kurt Körber eingeladen wird – auch die Großen dieser Welt, die sonst nie Zeit haben –, kommt mit Vergnügen. Alle sind dabei: Amerikaner, Russen, West- und Osteuropäer, um die Probleme zu diskutieren, die uns unter den Nägeln brennen.

Daß diese ungewöhnliche Überlebenskraft möglich wurde, ist Kurt Körber zu danken, der nicht nur mehr als hundert technische Erfindungen beim Patentamt angemeldet hat, sondern auch im politischen und wirtschaftlichen Bereich immer wieder neue Ideen und Vorschläge zur Diskussion stellt. Sein Interesse ist stets und überall auf Innovation ausgerichtet.

Damals, vor 25 Jahren, war der Aufbau seiner Hauni-Werke gerade vollendet; darum suchte Körbers ruheloser Geist nach neuen Aktivitäten in anderen Sphären. Fragen nach der Zukunft unserer Gesellschaft zu diskutieren, nach der Struktur unserer Wirtschaft und den sich verändernden sozialen Verhältnissen, das waren die Motive für die Gründung des Bergedorfer Kreises. Es sind jene Themen, die seit der ausgehenden Adenauer-Zeit bis zum heutigen Tage die Gemüter bewegen.

Viele Anstöße und so manche Entscheidungshilfe für Politiker sind von Bergedorf ausgegangen. Als sehr sinnvoll hat sich dabei erwiesen, daß bei diesen Gesprächen weder Presse noch Fernsehen zugegen sind, daß aber Körber den vollen Wortlaut der Diskussionen im Nachhinein drucken läßt, so daß der Leser – die Protokolle gehen an 4100 Adressaten – alle Meinungen in ihren verschiedenen Aspekten verfolgen kann.

Diese Protokolle der Bergedorfer Gespräche, die über Jahrzehnte einen interessanten Spiegel der politischen Entwicklung und der kontroversen Meinungen darstellen, könnten eines Tages ein brauchbares Material für zeitgeschichtliche Forschungen abgeben. Dff.