Dienstleistung statt Vereinsleben – der Sport wird zur Ware

Von Birgit Warnhold

Die – nach jüngster Zählung – 62 930 Sportvereine in unserem Lande stehen mit ihrem Angebot nicht mehr allein. Ehemals Monopolisten bundesdeutscher Beweglichkeit, sehen sich die Vereine des Deutschen Sportbundes heute einer rasch wachsenden kommerziellen Konkurrenz gegenüber. Fitneßstudios, Squash- und Tennisanlagen, modernste Freizeitsportzentren schießen aus dem Boden. Sport als Ware – der wahre Sport?

Helle Räume, dezente Teppichböden, Musik im Hintergrund – mit den Turnhallen vergangener Tage haben die neuen Fitneßstudios nichts gemein. Sauna und Solarium gehören so selbstverständlich dazu wie die Bar mit Drinks und Snacks. Doch ist es nicht in erster Linie die wohnliche Einrichtung, die wohlige Atmosphäre, die die Kundschaft in die Studios zieht; die meisten kommen, weil sie den hier gebotenen individuellen Spielraum schätzen: „Hier kann ich kommen und gehen, wann ich will.“

Die Geräte stehen jederzeit zur Verfügung, die Sporttreibenden sind also nicht, wie im Verein, an bestimmte Übungszeiten gebunden. Auch die Anforderungen an die eigene Person erwachsen nicht aus der Gruppe: Jeder entscheidet für sich allein, wieviel er sich abverlangen will.

Spaß ist zweitrangig

Das ermöglicht der „eiserne Trainer“, Markenzeichen der rund 2600 Fitneßstudios in der Bundesrepublik. Mit etwa siebzig Prozent nimmt das Training an Maschinen den absolut größten Raum ein vor anderen Sportarten wie Jazzdance, Aerobic, Yoga, Judo. Nur etwa ein Prozent der zwei Millionen Sportstudio-Mitglieder betreiben Bodybuilding im eigentlichen Sinne, die meisten sind an muskulösen Fleischbergen nicht interessiert. An Muskeln allerdings schon. Mit einem meist individuellen Trainingsprogramm rücken sie gezielt ihren Schwachstellen zu Leibe. Sind die „Problemzonen“ erst einmal ausgelotet, ist das zielgerichtete Trainingsprogramm schnell zur Hand. Die Funktion des Sports, den Körper zu verschönern, ist für viele die Antriebsfeder für den Gang ins Sportstudio, der Spaß an der Sache selbst bleibt häufig zweitrangig.