APO-Wiedersehen in Frankfurt: Die alte Linke denkt neu über sich nach

Von Gunter Hofmann

Frankfurt, im November

Eine Linke, die den Namen verdient, gebe es nicht mehr, lautet einer der Allgemeinplätze, über die nachzudenken sich im Wahljahr nicht richtig schickt. „Prima Klima?“ – anders als ironisch kann also die Parole des Kongresses, zu dem Ehemalige des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) eingeladen hatten, kaum gemeint gewesen sein.

Auf dem berühmtesten Plakat des SDS, man schrieb 1967/68, prangten die Köpfe von Marx, Engels und Lenin auf rotem Untergrund. In dicken Lettern, eine Bundesbahnwerbung persiflierend, trumpften die Studenten auf: „Alle reden vom Wetter. Wir nicht. SDS.“

Die Köpfe der drei sind jetzt wieder zu sehen an der Stirnwand der Frankfurter Kongreßhalle, allerdings schwebt eine kleine Regenwolke darüber. Über allem wölbt sich ein Regenbogen, rot und lila und bunt. Von unten aber wächst eine grüne Schlingpflanze zielstrebig fast bis zur Kopfhöhe der Meisterdenker auf der Marmortafel hinauf.

Ihre „erste gnadenlose Generaldebatte zur endgültigen Klärung aller unzeitgemäßen Fragen“ haben die Linken, oft sind sie schon graumeliert, also als eine „wider den Zeitgeist“ begriffen. Damals, 1968, herrschte tatsächlich ein prima Klima, sinniert Ulrich K. Preuß, Juraprofessor in Bremen – heute leider nicht.