Am Anfang war die Hasenheide. Dieser Satz gilt für jene Bewegung, für die vor genau 175 Jahren der Startschuß fiel und die heute nahezu 20 Millionen Menschen im Deutschen Sportbund „bewegt“: 1811 wurde in der Hasenheide bei Berlin der erste „Turnplatz“ eröffnet.

Friedrich Ludwig Jahn machte diesen verträumten Flecken märkischer Heide zum historischen Ort. Das was er und zunächst eine Handvoll Gymnasiasten dort trieben, nannte er – das Wort schöpfend – „Turnen“.

Als „Turnvater“ muß er seitdem Gassen laufen: „Er hat, ein vaterländisch Gemüt / Nur Eichelkaffee getrunken / Franzosen fraß er und Limburger Käs / Nach letzterem hat er gestunken“, spottete Heine mit dem Recht auf Unausgewogenheit.

Ziel der Turnplatz-Gründung war die öffentliche Erziehung der (männlichen) Jugend zu äußerer Wahrhaftigkeit und innerer Wahrhaftigkeit. Zunächst die Vorbereitung zum Kampf gegen jenen Mann, dessen Name den Turnern, der Sage nach, niemals über die Lippen kam: Napoleon. Dessen Politik schürte den Willen zur Befreiung, den Wunsch nach Einheit, das Drängen zur Tat.

Der militärische Anfangsimpuls wurde jedoch bald vom Pädagogischen überlagert: „Die Turnkunst soll die verlorengegangene Gleichmäßigkeit der menschlichen Bildung wieder herstellen, der bloßen einseitigen Vergeistigung die wahre Leibhaftigkeit zuordnen und im gesellschaftlichen Zusammenleben den ganzen Menschen umfassen und umgreifen.“ So Jahn 1816.

Unter „Turnkunst“ übte man dabei auf der Hasenheide weit mehr, als heute unter „Kunstturnen“ verstanden wird: die absonderlichsten Formen des Laufens (wer kennt heute den „Dreibeinlauf“? Wer den „Kiebitzlauf“?), des Springens (wer kennt den „Tiefsprung“?), des Hüpfens, Werfens, Schleuderns, Tragens, Kletterns; phantasievolle Spiele. Auch das richtige Gehen will geübt sein. Aber kein choreographisches Stellungsgezirkel wie noch wenige Jahrzehnte zuvor, sondern schwungvolle Übungen am Tau und, als Neuerfindung, am Barren. Die vielerlei Gerüste und Geräte wurden durch Jahn selbst und kleine Mitgliedsbeiträge der Turner finanziert, laufend ergänzt und verbessert durch die selbständige Arbeit der Nutzer.

Viel Grenzüberschreitendes war dabei: von allen Seiten überschaubar der Platz, öffentlich im präzisen Sinn. Durchlässig auch die Grenze zwischen Geräteplatz und gewachsener Natur; jenseits der Reisiggeländer stürmische Kampfspiele im Wald. An der Oberspree, am Ufer der heutigen Kongreßhalle, eine Schwimmschule.