Den witzigsten Satz in dem sonst humorlosen Film hat ein Android: „Ich bin zwar synthetisch, aber ich bin nicht blöd.“ – „Aliens II“, dieses monströse Videospiel ist beides und mehr.

„Aliens II“ ist nämlich ein feministischer AIDS-Western und so leicht dekodierbar wie ein b-picture der McCarthy-Zeit. Im Unterschied zu damals gilt es heute zu beweisen, daß die Frauen alles genauso gut können. Wenn sich bei Howard Hughes in „The Outlaw“ die Männer noch ungestört darüber unterhalten, daß ein Pferd wertvoller ist als eine Frau (immerhin von Jane Russell verkörpert), läßt sich Sigourney Weaver einfach den Gebrauch einer Unterarm-Stalinorgel beibringen und ballert dann drauflos wie ein Alter. Endlich sind die Frauen an der Macht. Weaver als Officer Ripley kann einen Mann, der eigentlich ihr Vorgesetzter ist, ordentlich anherrschen: „Finden Sie sich mit der Realität ab, Hudson!“ Die Realität heißt Einsatz der Atombombe gegen die „Mistviecher“.

Tiefgefroren kam Ripley aus den Tiefen des Weltraums (und aus dem ersten „Aliens“-Film von Ridley Scott), doch muß sie, kaum gerettet, schon wieder hinaus ins feindliche Leben, um das anderer vor dem tückischen Feind zu schützen. Zunächst darf sie nur als Beraterin unter lauter zotenreißenden Kommißbrüdern und -schwestern wirken, doch bald hängt das gesamte Unternehmen von ihrer Tatkraft ab. Die Invasion der Aliens auf einem kolonisierten Planeten hat nur ein kleines Mädchen überlebt, für das Ripley sofort Muttergefühle entwickelt. Gemeinsam mit der anderen prominenten Frau in der Einsatztruppe, einer bis zum roten Stirnband Rambo nachgeklonten Figur namens Vasquez, zeigt sie den Männern, wer das starke Geschlecht ist, Vasquez, die zunächst nur Verachtung für die irrational reagierende Frau zeigte, wandelt sich zum guten Freund des Westerners Ripley, erledigt die Knochenarbeit für sie und sprengt sich schließlich selbst in die Luft, um für die anderen den Rückzug zu sichern. Die neue heilige Familie, bestehend aus der mannhaften Ripley, dem geretteten Kind und einem verletzten Crewmitglied, das Ripley aus dem Inferno ins Fluchtflugzeug schleppt, ist damit ohne störende Elemente komplett.

„Aliens“ bezieht sich zwar über Zitate und Verweise auf viele verschiedene Genres, nimmt die eigene Geschichte aber todernst; es gibt kein ironisches Entrinnen aus ihr. Die Tentakeln der unheimlichen Viecher greifen sich unterschiedslos Mann, Weib und Kind, doch da ist Hoffnung. Die kindlose Ripley tritt im Showdown mit ihrem adoptierten Kind der Urmutter der Aliens gegenüber. Aus der Indianerin, die sich ein weißes Kind geraubt hat, ist eine Art Tyrannosaura Regina geworden, ein widerwärtiges schwarzes Insekt, das sich getrost als die zentralafrikanische AIDS-Göttin verstehen läßt. In der Logik von James Cameron und seines Co-Autors Walter Hill kann die Erlösung von dieser verheerenden Krankheit nur von einer Frau kommen, einer Frau allerdings, die in sich alles Widerborstige abgetötet hat. Bei dem ausgedehnten Kampf gegen dieses weibliche böse Prinzip kann Ripley beweisen, daß sie sich ausreichend männliche Eigenschaften angeeignet hat. Der Kampf geht auch gegen die unbezähmbar weiblichen Residuen. Das evolutionär veraltete Muttertier unterliegt der Managerin.

Schließlich ist beim besten Willen nicht zu übersehen, daß es sich bei „Aliens II“ um einen eiskalten Porno handelt, aus dem jede Spur von Sex getilgt wurde. Diese von jeder Körperlichkeit abstrahierte Masturbarionsphantasie wirkt wie eine special-effects-Oper, die unter der Regie von Bataille zur Aufführung gelangt, und das Bühnenbild, eine aus gierigen Krakenarmen gebildete, riesenhafte Vagina, könnte sich de Sade ausgedacht haben.

Willi Winkler