Drei Möglichkeiten gibt es, auf den fortdauernden europäischen Agrarunsinn – also die immer üppiger wuchernden, nicht verkäuflichen Überschüsse – zu reagieren: die politische, die satirische und die professorale.

Politiker an der Macht, und dazu gehört auch der CSU-Agrarminister Ignaz Kiechle, wollen dort bleiben. Dafür tun sie viel und deshalb wenig, um das einst im Interesse der Bauern und der Verbraucher installierte, heute aber völlig veraltete Agrarmarkt-Regime zu reformieren. Viel zu hohe Garantiepreise sorgen für noch zunehmende Nahrungsmittelüberflüsse, die niemand mehr aufessen kann. Sie kosten nur viel Geld.

Obwohl die Brüsseler Kasse seit dem Jahresanfang über vierzig Prozent höhere Einnahmen als zuvor verbuchen kann, kommt der Haushaltskommissar schon wieder nicht damit aus. Doch das ist nicht seine Schuld, die nationalen Regierungen haben den Finanzskandal heraufbeschworen – vor allem durch die Unfähigkeit, sich gegen die mächtigen Bauernverbände durchzusetzen. Der Brüsseler Haushalt ist schwer agrarlastig: Rund zwei Drittel der knapp achtzig Gemeinschafts-Milliarden Mark gehen auf das Konto der verkorksten Landwirtschaftspolitik. Vor den Landmännern haben sie alle Angst – Kiechle, Kohl, Strauß und auch Stoltenberg.

Die Crux: Die teure Agrarpolitik nützt den meisten Bauern kaum noch. Nach Schätzung von Experten kommen nur rund zwanzig Prozent der Brüsseler Subventionen auf den Höfen an; vier Fünftel gehen drauf für Lagerhäuser, in denen die unverkäuflichen Überschüsse bis zum Verderben aufbewahrt werden, für Exportverbilligungen, die zu teure Butterpäckchen oder Getreidesäcke auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig machen sollen, und andere Kosten der bis ins kleinste reglementierten Überfluß-Maschinerie.

Eine weniger effiziente Methode, den Bauern zu helfen, läßt sich kaum vorstellen. Doch die meisten Landwirte durchschauen das nicht, halten auch mangels besserer Informationen durch die Bauernverbände den ganzen Agrarbürokratismus immer noch für das Beste – nur die Garantiepreise und damit ihre Einkommen für zu gering.

So schließt sich der Kreis: Die Bauern wollen das beinahe schon unbezahlbare System konservieren und bedrohen jeden Politiker mit Stimmenentzug, der gegen den Unsinn arbeitet. Leider haben sie damit bisher Erfolg gehabt – Landwirtschaftsminister Kiechle handelt, als ob er der Bauernverbandsvorsitzende persönlich wäre. Fast alles, was die Brüsseler Kommission als kleine Reform-Schritte vorschlug, wurde von den Deutschen bekämpft und erfolgreich verhindert.

Es spricht für die politische Ausweglosigkeit, daß sich auch schon Satiriker in Bonn des Problems angenommen haben. Genau ist nicht mehr festzustellen, wer die Idee als erster hatte: Der beste Ausweg aus dem teuren Agrardilemma in Europa sei, die Landwirtschaft von den Sowjets betreiben zu lassen. Die kostspieligen Überschüsse wären im Handumdrehen verschwunden.