Von Hiltrud Trottenberg

Ein Bauer steht auf seinem Spinatfeld und sucht mit einem Fernglas die Umgebung ab. Er wartet nicht etwa auf die Rückkehr der Zugvögel aus dem Süden, sondern auf eine schwarze Käferwolke. Einen Tag zuvor hatte er nämlich eine Unzahl kleiner Kästen aufgestellt, die einen eigentümlichen Duft verbreiten – riechbar nur für bestimmte Insekten. Des Bauers Nase ist dafür zu grob. Diese Riechstoffe – Pheromone oder Sexuallockstoffe genannt – sollen, so wurde ihm gesagt, eine wahre Flut von Marienkäfern herbeilocken, die sich über die gefräßigen Blattläuse auf seinem Spinat hermachen. So wartet er sehnsüchtig auf die Arbeitskolonne „Marienkäfer“. Wird sie noch rechtzeitig eintreffen?

So etwa stellen sich Insektenforscher des US-Landwirtschaftsministeriums USDA eine zukünftige Variante der Schädlingsbekämpfung vor. Die Idee, die natürlichen Feinde der Schädlinge mit Hilfe der Pheromone anzulocken, ist neu. Jeffrey Aldrich und seine Mitarbeiter am USDA-Laboratorium für Insektenhormone in Beltsville/Maryland haben sozusagen um die Ecke gedacht.

Bisher konzentrierte man sich darauf, Schädlinge mit Hilfe der Sexuallockstoffe in Fallen zu locken oder durch Überdosierung derart zu verwirren, daß sie ihre Geschlechtspartner nicht mehr fanden. Das Ziel dieser Methoden war es, die Schädlingspopulation so weit zu verringern, daß sie bei den Kulturpflanzen keinen wirtschaftlichen Schaden mehr anrichteten.

Die Wissenschaftler des USDA hingegen beschritten einen anderen Weg. Sie identifizierten und synthetisierten eine Mischung aus vier Pheromonen von zwei Schildwanzenarten ( Podisus maculiventris und P. fretus). In Feldversuchen stellten sie fest, daß die künstlichen Pheromone die nützlichen Wanzen über eine Distanz von mehr als 150 Meter anlocken können.

Wirtschaftlich vorteilhaft ist, daß der Lockstoff aus vier billigen Komponenten hergestellt werden kann. Die zur Zeit erhältlichen Pheromone zur Schädlingsbekämpfung sind dagegen sehr teuer. „Das Geheimnis“, sagt Jeffrey Aldrich, „war die richtige Mischung.“ Verwendeten die Wissenschaftler nur drei Komponenten, so wurde nur eile Art angelockt. Nahmen sie zwei dieser Komponenten und mischten eine neue, dritte dazu, dann fühlte sich die andere Art angesprochen. „Erst als wir alle vier zusammen benützten, reagierten beide Arten darauf.“

Jede Schildwanzenart erkennt also aus der Mischung ihre spezifische Pheromonbotschaft. Bei bisher hergestellten Pheromonmischungen verwandter Arten wurde die Information für die Insekten untauglich. Jeffrey Aldrich hofft nun, mit einem „Superlockstoff“, nämlich einer Mischung verschiedener Pheromone, die ganze Palette von Schildwanzen anzulocken. Das könnte ein Durchbruch für die Pheromonanwendung sein, da die Schildwanzen sich von mehr als hundert Insekten ernähren, darunter bedeutsamen Baumwoll- und Sojaschädlingen.