Daß er der Künstler werden würde, war innerhalb der Kaufmannsfamilie früh klar. Sein Bruder ging ins väterliche Geschäft, Hans J. Fröhlich musizierte und las. Geboren wurde er in Hannover, am 4. August 1932, die Kindheit verbrachte er in dem kleinen Dorf Werxhausen, dort hat er Orgel gespielt, bei der Messe gedient, täglich Klavier geübt, „meine ersten Klavierstücke Komponiert und die deutschen Klassiker und Romantiker gelesen“.

Zunächst steuerte er auf die Musik zu, bei Fortner begann er ein Studium der Kompositionstechnik. Im vierten Semester mußte er eine Klaviersonate von Schubert übungshalber instrumentieren. Viele Jahre später entstand aus dieser ersten tiefen Begegnung eine Biographie, ein psychologisch durchleuchtetes Schubert-Bild – das erfolgreichste Buch Fröhlichs.

Mitte der fünfziger Jahre wendete er sich vom Musikstudium ab und der Literatur zu, er arbeitete in Buchhandlungen und Verlagen. Sein erster Roman erschien 1963: „Aber egal!“ – der Versuch, eine moderne Münchhausen-Geschichte zu erzählen. Mehr Aufmerksamkeit – jedenfalls bei der Literaturkritik – erregte Fröhlich mit „Tandelkeller“ und „Engels Kopf“, 1967 und 1971 veröffentlicht, zwei Romanen in der Anti-Roman-Tradition. Seine Erzählbegabung hatte Fröhlich mit ironischer Bescheidung in Fußnoten verdammt, die sich allerdings am Ende von „Engels Kopf“ immer mehr auswuchsen, so daß des Autors Lust auf Geschichten deutlich genug blieb.

„Sein Thema“, schrieb Fröhlich damals in einer Rezension, „kann ein Schriftsteller sich nicht aussuchen, auch wenn noch so viele Themen oder Stoffe angeblich in der Luft liegen. Man schreibt, außer auf Bestellung, keine Bücher, um eventuelle Marktlücken zu stopfen. Ein Schriftsteller schreibt das Notwendige, und das liegt selten in der Luft, es muß getanwerden, selbst wenn es für den Moment nicht opportun scheint. Ein Autor sucht nicht nach einem Thema; er hat es und ist daran fixiert. Seine Arbeit (das Schaffen) ist die Fixierung persönlicher Erlebnisse und Gefühle in Sprache.“

Was Fröhlich hier anläßlich eines Buches von Peter Härtling formulierte, galt auch für sein folgendes Buch, ein autobiographisch-biographisches „Doppelporträt“, 1974 erschienen: „Anhand meines Bruders“. Das war kein Spiel mehr, sondern eine Arbeit, die „getan“ werden mußte – eine heikle Arbeit, weil das Buch sich dem Verdacht aussetzte, daß sein Autor, der als Schriftsteller gerade selbst eine einigermaßen sichere Rolle gefunden hatte, sich auf Kosten des in seiner Rolle angeblich erstarrten Bruders darstellte. Ein vorschneller Verdacht – wo es doch viel einfacher gewesen wäre, sich selbst zu demontieren und sich auf diese Weise hinterrücks zum Helden zu stempeln! „Anhand meines Bruders“ ist ein aufrichtiges Buch, in dem Fröhlich erstmals einen psychologisch, ja psychoanalytisch geschärften Blick zeigte.

Lag der Autor damit im Trend? Das Autobiographische, die Wende vom Experimentellen zum (teils naiv) Erzählerischen erfaßte Mitte der siebziger Jahre die deutsche Literatur. Fröhlich stand außerhalb – auch im wörtlichen Sinne: Er hatte sich in ein Haus in Italien zurückgezogen.

Dieser Ort wurde zum Schauplatz auch seines nächsten Romans: „Im Garten der Gefühle“, 1975. Es ist ein Jammer, daß dieses Buch zwar von der Kritik gefeiert, vom großen Publikum aber übersehen wurde. Dabei ist dieser Roman, der Motive aus den „Wahlverwandtschaften“ aufnimmt, so leicht wie tiefsinnig, so unprätentiös wie raffiniert erzählt: Ein Ehepaar mit Kind wird im Sommer von verklammerten und verkrampften Paaren, von befreundeten Passanten und erschöpften Durchreisenden in seinem italienischen Ländhaus geradezu heimgesucht – bis auch die eigene Ehe unter die Räder kommt.