Kräftig sprudelnde Ölquellen rund um den Eiffelturm? Bohrtürme im vornehmen 16. Arrondissement? Auf der Seine häßlichgraue Ölplattformen statt weißgetünchter Touristenboote

Das ist wohl übertrieben. Doch schon in absehbarer Zeit könnte Erdöl aus dem Pariser Untergrund gepumpt werden. Derzeit spürt dort nämlich die „Compagnie générale de géophysique“ im Auftrag von Elf-Aquitaine nach dem schwarzen Gold. Gemeinsam mit den Konzernen BP und Total hat Elf-Aquitaine Anfang 1986 von der französischen Regierung die Bohrkonzession „Paris – Ile de France“ erhalten, die eine Fläche von 1520 Quadratkilometern auf Pariser Boden abdeckt.

Ob es in den Erdschichten unter der Hauptstadt tatsächlich Öl gibt, weiß zwar zur Zeit noch niemand genau. Immerhin aber sind die Aussichten so gut, daß sich rund zwanzig nationale und internationale Firmen einen erbitterten Konkurrenzkampf um die Bohrerlaubnis geliefert haben. Und die gab es nicht umsonst. Mindestens siebzig Millionen Francs (rund 22 Millionen Mark) müssen die drei Gesellschaften für die Erforschung des Gebietes in den nächsten fünf Jahren aufwenden. Diese Bedingung hat der Staat als Lizenzgeber an die Vergabe geknüpft.

Das ungewöhnlich große Interesse kommt nicht von ungefähr. In den letzten vier Jahren hat sich die Gegend um Paris, das sogenannte Pariser Becken, zur Hauptölquelle Frankreichs entwickelt. Mit voraussichtlich zwei Millionen Tonnen werden hier 1986 etwa zwei Drittel des französischen Öls- gefördert. Weit abgeschlagen mit 0,6 Millionen Tonnen ist mittlerweile das Basin l’Aquitaine im Südwesten. Dort waren die Geologen in den vierziger Jahren zum erstenmal in Frankreich auf Öl gestoßen.

Nach 1965 jedoch sind im Südwesten keine neuen Vorkommen mehr entdeckt worden – ganz im Gegensatz zum Pariser Becken. „Seit etwa vier Jahren gibt es hier ein richtiges Ölfieber“, versichert Elf-Pressesprecher Francis. Tribot-Laspiere. Während sich die teuren Probebohrungen im Golf von Gascogne und vor der bretonischen Küste, in die mehrere Ölkonzerne große Hoffnungen gesetzt und mehr als drei Milliarden Francs investiert haben, durchweg als Fehlschlag erwiesen, ist von fünf Probebohrungen im Pariser Becken im Schnitt eine erfolgreich.

Allein in den beiden vergangenen Jahren sind sechs Vorkommen entdeckt worden, deren Förderung rentabel ist. Denn die Ölqualität ist gut, und die Investitionskosten sind mit fünf bis zehn Millionen Francs außerordentlich niedrig. Zum Vergleich: Eine Bohrung im Meer kostet etwa hunden Millionen Frans. Entsprechend gering sind mit fünf bis sechs Dollar pro Barrel (159 Liter) auch die Förderkosten. Trotz des Ölpreissturzes und des Dollarverfalls lohnt sich das Geschäft.

Die Förderkapazität der französischen Quellen ist im Vergleich zum Nahen Osten allerdings winzig. Die durchschnittliche Menge beträgt lediglich knapp tausend Barrel pro Tag, das sind 50 000 Tonnen im Jahr, Saudi-Arabien als größter Opec-Staat etwa fördert gegenwärtig mehr als vier Millionen Barrel am Tag. „Das Pariser Becken ist nicht Saudi-Arabien“, relativiert Tribot-Laspiere die Bedeutung der Förderung, die nur knapp zwei Prozent des französischen Gesamtverbrauchs deckt. Die Hoffnung, eines Tages auf ein wirklich bedeutendes Vorkommen zu stoßen, ist nach Ansicht der Geologen zwar gering, aber keineswegs auszuschließen. Daß trotz ausgefeilter Explorationstechnik zur Erdölsuche noch immer ein Quentchen Glück gehört, mußte gerade Esso erfahren. Allein aus dem im vergangenen Jahr erschlossenen Vorkommen „Chaunoy“, südlich von Paris, fördert der Konzern 12 000 Barrel pro Tag, also das Zwölffache des bisherigen Durchschnitts aller Quellen.