Durch Busch und Savanne, über Hochplateaus und durch Schluchten zum Turkana-See im Norden Kenias

Von Hannelore Schulte

Samstagmorgen. Nach zehn Stunden Flug von Frankfurt nach Nairobi erwartet mich „The Legendary Turkana Bus“, der mich in den Norden Kenias bringen soll – an den Turkana-See.

Abenteuergeist ist Bedingung. Schließlich ist das Ganze eine Expedition, alles your own risk. Ungefähr zwanzig Leute finden sich an dem Morgen ein, ein internationales Völkchen, überwiegend zwischen fünfundzwanzig und dreißig Jahre alt. Zwei Tracks – offene Lastwagen – stehen bereit, vollgepackt mit Zelten, ölverschmierten Matratzen, Wassertanks, Klapptischen, Lebensmitteln.

Meine Informationen sind eher dürftig: Der Turkana-See (früher Rudolf-See), fast fünfzehnmal größer als der Bodensee, liegt in einer heißen Vulkanlandschaft und reicht bis nach Äthiopien hinein. Stark salzhaltig, weil ohne Abfluß, bietet er einen gewaltigen Reichtum an Fischen, Krokodilen, Flußpferden und Vögel. Vor allem aber ist das Gebiet am und um den See die Heimat einiger Stämme, die sich ihre Kultur und Lebensformen noch weitgehend bewahrt haben.

Unser Fahrer ist Alois, ein baumlanger Angehöriger der Samburu, ein mit den Massai verwandter Stamm: schön, würdevoll, autoritär. Nie wird er auf der Tour ein Wort zuviel verlieren. Rough route tomorrow, darauf wird sich sein abendlicher Hinweis auf den kommenden Tag beschränken. Sein knappes any further questions, läßt uns verstummen wie brave Zöglinge. Zwei Worte wird die Gruppe schon bald von ihm übernehmen: polepole (langsam) und no problem. Zwei Jungen begleiten uns, sie sind zuständig für das Lagerfeuer, das Kochen und das Aufladen.

Mit gemischten Gefühlen fahren wir los; schwerfällig kriechen die Tracks über die ansteigende, gut ausgebaute Straße nach Norden. Nach ein paar Stunden verlassen wir das grüne Umland Nairobis, die Vegetation wird spärlicher, die Straße schlechter. Die erste Nacht im Busch. Wasser gibt es nur zum Trinken. Schon bedeckt uns eine rötliche Staubschicht, aber Zimperlichkeit ist nicht angebracht. Die Zwei-Personen-Zelte sind winzig, trotzdem schlafen wir gut. Es ist die einzige Nacht, in der wir unsere Schlafsäcke brauchen, denn vom zweiten Tag an nimmt die Hitze ständig zu. Wir fahren durch Busch- und Savannenlandschaft, später über Hochplateaus, durch Täler und Schluchten, alles Teil des grandiosen Afrikanischen Grabens.