Die Papiere der Kauf- und Handelshäuser stehen hoch im Kurs

An deutschen Börsen grassiert ein Konsumfieber. Während Standardaktien wie Siemens oder Bayer in den vergangenen Monaten brav der allgemeinen Tendenz folgten, setzten die Konsumwerte zum Höhenflug an. Kurssteigerungen von fünfzig Prozent und mehr waren dabei keine Seltenheit.

In Gang gebracht wurde die Kaufwelle durch die günstigen Prognosen der Konjunkturauguren, die den privaten Verbrauch auch weiterhin als Triebfeder des wirtschaftlichen Aufschwungs hierzulande einstufen. Damit dürften sie richtig liegen, denn der Exportmotor ist durch den niedrigen Dollarkurs schon längst ins Stottern geraten und mußte seine Funktion als Konjunkturlokomotive der Binnennachfrage überlassen. Zudem haben die Konsumenten auch im nächsten Jahr aufgrund der niedrigen Ölrechnung und der steigenden Reallöhne mehr Geld im Portemonnaie. Ob die zusätzlichen Mittel jedoch überwiegend in den Verbrauch wandern, darf mit Blick auf die Statistik bezweifelt werden. So stieg beispielsweise das Bruttosozialprodukt zwischen 1980 und 1985 real um sechs Prozent, die Einzelhandelsumsätze aber nur um lediglich 1,4 Prozent.

Doch selbst, wenn die Verbraucher jede zusätzliche Mark in den Konsum stecken würden, erschienen die jüngsten Kurssteigerungen für die Aktien der Warenhäuser und Handelsketten weit überzogen. Auf Basis der für 1987 geschätzten Erträge bringen es einige Vertreter dieser Branche mittlerweile auf Kurs/Gewinn-Relationen von weit über 30 (Karstadt, Horten). Abgesehen von den Versicherungsaktien zählen die Konsumtitel damit zu den teuersten Dividendenwerten auf dem deutschen Kurszettel.

Die gute Stimmung für die Konsumpapiere versuchen sich nun einige Gesellschaften aus der zweiten Reihe zunutze zu machen. Allen voran steht da die Asko deutsche Kaufhaus AG, die in ganzseitigen Anzeigen ungewohnt aggressiv für ihre eigene Aktie wirbt. Die Aufforderung an die Aktionäre, im Rahmen einer Kapitalerhöhung für sechs alte Asko-Aktien eine neue zum stolzen Preis von 1800 Mark zu beziehen, liest sich wie eine massive Kaufempfehlung in einem Börsenbrief. Das größte Einzelhandelsunternehmen auf der grünen Wiese langt dabei ganz schön zu. Im Frühjahr dümpelte der Kurs der Asko-Stammaktien schließlich noch bei 1200 Mark, jetzt verlangen die Saarbrücker gleich um die Hälfte mehr. Damit die Anteilseigner dem Ruf zur Kasse williger folgen, stellt Asko bereits für 1987 eine weitere Kapitalaufstockung in Aussicht, dann aber im viel günstigeren Verhältnis von 2:1. Und die jungen Aktien soll es fast geschenkt geben. Nur 150 Mark müssen auf den Tisch geblättert werden.

Die Saarländer schrecken auch nicht davor zurück, den Gewinn für die eigenen Aktien zu schätzen. 90 Mark sollen es im nächsten Jahr werden, nach 65 Mark in 1986. Woraus diese kräftige Profitsteigerung resultieren soll, erfährt der Asko-Aktionär von der „Number One“ – so die großspurige Selbstbezeichnung – allerdings nicht. Der Baumarkt kann die wundersame Ertragsvermehrung kaum bescheren. Denn den kennen laut Werbetext ja nicht einmal die Anlageprofis.

Ohnehin trieft die ungewöhnliche Anzeige nur so von Eigenlob. Da heißt es etwa: „Und niemand sagt, wie gut wir sind. So sagen wir es eben selber.“ Und vielversprechend verabschiedet sich der Vorstand mit den Worten: „Das mußten wir Ihnen einfach sagen. Oder sollen nur Insider soviel an der Asko verdienen?“ Ob an der Asko-Aktie überhaupt etwas zu verdienen ist, muß angesichts dieses wenig seriös erscheinenden Marktgeschreis bezweifelt werden. Selbst wenn die optimistischen Ertragsvorhersagen im nächsten Jahr eintreffen, wird Asko an der Börse bereits mit dem 23fachen Gewinn gehandelt. Qualitätstitel wie beispielsweise die drei Farbennachfolger Bayer, BASF und Hoechst kosten auf Basis der 1986er-Erträge nicht einmal das achtfache.