Mein Mann hat mich damit im Sommer überrascht. Stellen Sie sich vor. Wir sitzen im neuen Auto, kleben fast auf den Ledersitzen, so heiß ist es draußen, und er tippt auf so ’ne Art Taschenrechner im Armaturenbrett. Ich dreh’ derweil die Fenster runter, denn es ist wirklich irrsinnig heiß. Da sagt mein Mann: „Es sind exakt 33,5 Grad.“ Etwas wie Triumph lag in seiner Stimme, und ich hab’ das damals auch verstanden: Unser Bordcomputer hatte die Außentemperatur gemessen. „Siehst du“, sagte ich und fächelte mir Kühlung zu, „darum ist es auch so heiß.“

Beeindruckt hat mich auch, daß wir nun immer unsere Durchschnittsgeschwindigkeit wissen. Sie müssen sich da mal reindenken. Von München nach Hamburg fahren wir ziemlich häufig. Wenn die Autobahn leer war, kamen wir gut voran. Wenn die Autobahn voll war, kamen wir schlecht voran. So war das früher. Jetzt sagt mein Mann: „Schau, der Stau hat unsere Durchschnittsgeschwindigkeit auf 114 km/h runtergedrückt.“ Da bewegt man sich gleich anders im Verkehr.

Nun können wir hochrechnen, wann wir bei dieser Durchschnittsgeschwindigkeit an der Elbe landen. Aber dann haben wir hinter Kassel freie Fahrt, das läßt den Durchschnitt hochschnellen, und dann die Baustellen hinter Hannover... schon geht’s wieder in den Keller... Mein Mann kommt mit dem Hochrechnen kaum nach. Wie ein Wahlabend im Fernsehen: Eine Hochrechnung jagt die andere, aber verbessern tut sich nix.

Es soll sogar Rechner geben, da kann man die Entfernung bis zum Ziel und die gewünschte Ankunftszeit eingeben und kriegt dann das zur Zielvorstellung passende Durchschnittstempo exakt auf das Display. Die Tester von Auto Motor und Sport mäkeln an diesem Computerservice aber noch herum: „Bei freier Bahn mahnt der Computer zu verhaltener Fahrweise, um schon im ersten Stau beherztes Gasgeben zu empfehlen.“

Mir reicht schon, daß der Computer meldet, wenn wir vor Kassel tanken (auf der Fahrt nach Hamburg tanken wir immer vor Kassel), daß wir tatsächlich in Kassel tanken müssen (Reichweite nur noch 46 km). Aber wir können dafür jederzeit Uhrzeit und Datum abrufen und das mit der Uhrzeit und dem Datum auf unseren Armbanduhren vergleichen. Mein Mann schätzt Zeitvergleiche. Er ist somit ziemlich beschäftigt.

Im Auto, das gebe ich zu, haben wir uns früher über Alltäglichkeiten unterhalten, wo wir nächsten Urlaub hinfahren, wen man in welcher Partei überhaupt noch wählen kann, „wann wir Kaufmanns zum Essen einladen ... Das ist. vorbei. Die visuelle Kommunikation würde gestört zwischen dem Computer und meinem Mann.

Einmal habe ich mich soweit hinreißen lassen, seine Hand von diesem Mäusekino wegzuschieben. Da hat er „Tippkontakt“ mit dem Bordcomputer aufgenommen – vom Blinkerhebel aus. Ich wußte gar nicht, daß das geht. Meine persönliche Innentemperatur sank mit einem Schlag auf Null.

Ob ich den Rat von Georg Kacher, Korrespondent der englischen Zeitschrift Car, befolge? Der pflegt schon seit Jahren in seinen Testwagen die grellblauen Fernlichtanzeigen abzudecken. Schwarzer Klebestreifen verdeckt inzwischen auch seinen Bordcomputer. Die Kontrolleuchten machten ihn nur verrückt. Aber das wäre womöglich der Anfang vom Ende unserer E... Halt! Schluß! Mein Computer meldet, Ziel erreicht: 75 ZL. Sibylle Zehle