Ziemlich unbemerkt hat sich in Ostasien eine neue Schiffslinie etabliert, deren Einrichtung als historisch betrachtet werden kann. Erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges gibt es wieder eine Passagierschiffsverbindung zwischen Japan und der Volksrepublik China.

War der Reisende, der auf dem Landweg von Nippon nach Europa China besuchen wollte, früher gezwungen, den Umweg über Hongkong auf sich zu nehmen, kann er jetzt auf der „Jian Zhen“ in zwei Tagen und zwei Nächten gemütlich von Kobe/Osaka nach Shanghai schippern. Das Schiff verkehrt einmal die Woche – ab Kobe/Osaka dienstags, ab Shanghai samstags – und segelt unter chinesischer Flagge.

Verglichen mit dem Umweg über Hongkong schneidet die „Jian Zhen“ auch finanziell günstig ab. Eine Überfahrt in der niedrigsten Preiskategorie (Zehn-Personen-Kabine, die sogenannte „Billard-Klasse“) ist schon für umgerechnet 290 Mark zu haben; die Luxusklasse kostet einfach etwa 1300 Mark (ab Januar 1987 ungefähr zehn Prozent mehr). Ab China liegen die Preise etwas niedriger. Zwei Frühstücke im akzeptablen Bordrestaurant sind eingeschlossen. Serviert werden sowohl japanische als auch chinesische Speisen.

Ausgestattet ist das Schiff zwar etwas spartanisch, einfachen Ansprüchen aber genügt es vollkommen. Neben Tax-free-Shop, Fernseher (im Programm meist chinesische Kung-Fu-Filme) und Tischtennisplatten verfügt die „Jian Zhen“ auch über einen Ballsaal, der zwar die ganze Fahrt hindurch hell erleuchtet ist, zum Kummer der meisten Passagiere aber weder mit Musik noch Getränken versorgt wird. An den geräumigen Badehallen an Bord läßt sich leicht erkennen, daß das Schiff japanischer Bauart ist. Es verkehrte früher zwischen Kyushu und Okinawa.

Übrigens benötigt man schon vor der Einschiffung in Kobe/Osaka ein Visum für die Volksrepublik. Wer sich das nicht schon in Europa besorgt hat, kann es auch über die japanischen Reisebüros des JTB (Japan Travel Bureau) bekommen, muß aber dann mindestens zwei Wochen warten und mit fast 220 Mark Gebühren rechnen. Bei der umgekehrten Tour erhält man als Deutscher sein japanisches 90-Tage-Visum problemlos beim Verlassen des Schiffes.

Empfehlenswert ist es, die Überfahrt möglichst lange im Voraus zu buchen. Besonders unter Rucksackreisenden hat sich die Existenz der neuen, preiswerten Passage schon herumgesprochen; es ist also mit Andrang zu rechnen. Informationen gibt es in Japan bei der China-Japan International Ferry Company, Osaka (Tel.: 3 92 10 21) und in China in Shanghai (Tel.: 24 62 60).

Stefan Biedermann