Von Joachim Nawrocki

Der 25. November war für Berlins Wirtschaft wie vorgezogene Weihnachten: Am Vormittag wurden in Gegenwart des Bundeskanzlers die ersten Bauabschnitte einer neuen Computerfabrik von Nixdorf eingeweiht; mittags wurde im Werk Fritz Werner der Werner und Kolb GmbH der Grundstein für eine neue Fabrikanlage im Wert von vierzig Millionen Mark gelegt; und am Nachmittag wurde in Anwesenheit des Bundespräsidenten das Produktionstechnische Zentrum eingeweiht, in dem das Institut für Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik sowie das Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik vereint sind.

Am gleichen Tag begannen auch die BIG Tech, die sich zu einer international interessanten Innovationsmesse entwickelt, ein Produktionstechnisches Colloquium und ein Management-Forum, und es wurde der Berliner Innovationspreis vergeben.

„Wenn wir öfter solche Tage hätten, dann brauchten wir uns über die Wirtschaftsstruktur Berlins nicht mehr zu unterhalten“, meint Wolfgang Watter, Staatssekretär im Wirtschaftssenat.

Das wirtschaftliche Klima in Berlin hat sich verbessert. Auch die Statistiken über Beschäftigte, Zuwanderung, Industrieproduktion, Investitionen und anderes zeigen eine deutliche Trendwende zum Besseren. Wie entscheidend aber ein gutes Klima ist, beweist gerade das Engagement von Nixdorf in Berlin, wo die Zahl der Beschäftigten von 2000 auf 2500 und später sogar bis auf 6000 steigen soll.

Norbert Schlimm, einer der erfolgreichen Firmengründer im Berliner Innovations- und Gründerzentrum (BIG), erzählt: „Ich habe erlebt, wie Wirtschaftssenator Pieroth mit Heinz Nixdorf zum ersten Mal im BIG vorbeikam und Nixdorf sagte: ‚Bei euch in Berlin ist ja wieder richtig was los, das erinnert mich an meine Zeit in Essen, ich baue mein neues Werk in Berlin.‘“

„Also das Klima für Innovation ist ausgezeichnet in Berlin, aber deswegen ist der Acker trotzdem noch nicht bestellt. Ich vergleiche es immer mit folgendem: Die Stadt Berlin hat ein Verkehrssystem, das soll im Jahr maximal 700 Millionen Mark an verlorenen Zuschüssen kosten dürfen (1986 waren es 625 Millionen); der Innovationsfonds hat mit sieben Millionen Mark begonnen, das sind Kredite, die zurückgezahlt werden sollen. Solange das so ist, darf die Stadt nicht behaupten, daß sie in großem Rahmen an der eigenen innovativen Zukunft arbeitet. Aber das Klima ist sehr gut.“