Beine gemacht

Zu dick, zu dünn, zu klein, zu groß – Niemand ist zufrieden. Fettpölsterchen ließen sich ja schon immer an- und abbauen, und mit dem Alter fällt sowieso jeder ein bißchen in sich zusammen. Nur wer hoch hinaus will, weiß keinen Rat. Das nämlich unterscheidet den Menschen von der Pflanze, daß er nicht unbegrenzt weitersprießen kann.

Nun tut sich eine Hoffnung am Moskauer Horizont auf. Dort wurde, so meldet dpa, die erste Wachstumsschule eröffnet. Der bisher beste Schüler des Lehrers Anatoli Palko schloß mit elf Zentimetern ab.

Die Schule ist neu, die Idee alt. Schon unsere mittelalterlichen Vorfahren wußten, wie man dem Menschen lange Beine macht. Ein Besuch auf der Folterleiter oder dem Streckbett, hier ein bißchen zerren, dort ein wenig dehnen, und der Erfolg war garantiert.

Und wir, deren Kinderrücken krumm und schief waren, wurden zum „Sonderturnen“ abkommandiert: Reckt euch, streckt euch. Und schon waren ein paar Zentimeter gewonnen.

Das bemerkte auch Anatoli Palko. Als ihm Hosenbeine und Jackenärmel zu kurz wurden, fiel sein Verdacht nicht auf Waschmaschine und Trockner, sondern auf den Arbeitsplatz. Dort machte er mit Kindern, deren Rückgrat verbildet war, hilfreiche Übungen.

Als „Mittelding zwischen einer finnischen Sauna und einer Sporthalle“ beschreibt ein sowjetischer Reporter die Schule. Das klingt ja noch ganz human.