Es soll ja eigentlich nicht sein; aber manchmal hören wir mit, ohne es zu wollen. Vor allem dann, wenn die Tische im Restaurant so eng nebeneinander stehen, daß nur noch von einer Seite her serviert werden kann.

Die beiden wirkten zunächst völlig ebenbürtig, als sie am Nebentisch Platz nahmen. Beide waren mit ihren schwarzledernen Köfferchen auf Manager getrimmt. Wechselseitig boten sie einander höflich den jeweils gegenüberliegenden Stuhl an. Beide bestellten Steak.

Aber dann sagte der etwas Schlankere „bitte medium“ zum Ober. Der etwas Dickere wollte sein Steak „nicht ganz so durchgebraten“.

Der Unterschied war da. Er vergrößerte sich, als der Dicke „zwei Bier“ bestellte – und der Dünne dem Ober hinterherrief: „Für mich aber nur ein kleines.“

Das Bier war da; der Dünne mit dem kleineren Schluck hatte den schnelleren Start beim nun folgenden Gespräch. Er redete schon über den Tisch hinweg, während der andere sich noch den Schaum von den Lippen strich.

Seine Schwester, erzählte er, sei in London mit einem Immobilienmakler verheiratet: „Und stellen Sie sich vor, was da los war, als sie ihr Haus in Chelsea einweihten.“ – Jetzt folgte eine Aufzählung prominenter Leute, von denen ich am Nebentisch niemanden kannte. Ich verlor also das Interesse an diesem Gespräch – bis der Dünne einen Witz erzählte, dessen Pointe er auf englisch servierte.

Der Dicke, von seinem Gegenüber lauernd beobachtet, lachte aus Höflichkeit mit, obwohl ich am Nebentisch spürte, daß er die Pointe überhaupt nicht verstanden hatte. Und je weniger er verstand, desto anglophiler wurde sein Gesprächspartner.