Von Haug v. Kuenheim

Höfer, Appel, Konzelmann, Menge, das Publikum weiß, wie sie aussehen, und Schande über den, der sich nicht nach ihm umdreht, wenn Hanns Joachim Friedrichs das Lokal betritt. Und schreibt Dieter Kronzucker ein Buch, so darf der Rowohlt-Verlag getrost das Werk, wie gut oder schlecht es immer sein mag, in hoher Auflage auf den Markt werfen. Die Damen und Herren des Fernsehens sind die prominenten Stars der Medienszene.

Den schmalen Kopf mit den intensiven Augen von Hans Ulrich Kempski kennen dagegen wahrscheinlich nur Eingeweihte. In Waldtrudering allerdings ist er bekannt wie ein bunter Hund. In dem eher kleinbürgerlichen Münchner Vorort grüßt ihn jeder, wenn er dort mit dem Fahrrad seine Runden dreht oder leicht humpelnd, weil die Knieverletzung aus dem Krieg wieder einmal schmerzt, sich auf den Weg zum Italiener macht, wo er bedient wird, als sei er der Herrgott selber. Doch nicht nur die Truderinger kennen ihn, man grüßt ihn auch im Weißen Haus, im Kreml, im rheinischen Bonn, und auf internationalen Konferenzen begrüßen die Journalisten ihren schreibenden Kollegen mit der ewigen Bräune auf dem kahlen Kopf. Der Chefkorrespondent der Süddeutschen Zeitung ist ohne Zweifel ein Star. Der ehemalige Chefkorrespondent. Denn seit Anfang des Jahres hat der 64jährige sein Amt abgegeben, sich Dauerkarten fürs Schwimmbad und für die Skilifts an seinem Hausberg besorgt und erklärt seinem Besucher fröhlich: „Ich glaube, ich reise nicht gern...“

Auch wenn es an diesem Platz ungewöhnlich ist: Es sei erlaubt, dem aus der schreibenden Zunft Scheidenden (gelegentlich wird er in seiner alten Zeitung noch zu lesen sein) einen Kranz zu flechten. Warum? Weil er einer der seltenen Journalisten ist, der in einer klaren, sauberen, schnörkellosen Sprache dem Leser mitteilt, worum es geht und was Sache ist. Das klingt simpel und ist doch so schwer. Scharen von Journalisten quälen sich tagtäglich unter Zeitdruck Sachverhalte ihren Lesern nahezubringen und schaffen doch selten, was oft die Krone journalistischer Arbeit genannt wird, eine Reportage zu schreiben. Das heißt, so zu schreiben, daß der Leser meint, am Geschehen teilgenommen zu haben.