Von Benjamin Henrichs

Da war er nun wieder: der kleine, ausgestopfte Kugelmensch in seinem schönen weißen Seidenanzug. Und wieder hatte der Schauspieler Gerd Wameling ein weißes Wimpelchen in der einen Hand, ein schwarzes in der anderen. Und er winkte wieder, und er wedelte mit den Armen, und plötzlich fiel er auf den Rücken wie ein großer Käfer.

Und dann flog, ganz langsam, das weiße, eiförmige Raumschiff über die Bühne. Damals saß Otto Sander darin und flog von links nach rechts, diesmal saß Branko Samarovski darin und flog von rechts nach links. Und von den Lautsprechern kam ein Rauschen und Knistern und Knacken, als sei eine alte Schallplatte zu Ende.

Und Keith Jarrett spielte wieder Klavier, und auch die Tiere waren wieder gekommen. Die beiden Saurier (der große und der kleine) leider nicht. Aber ein Panther war da, ein Drache und eine riesige, weiße Spielzeugmaus. Sie drehte ihren schweren Kopf ins Licht, ihre roten Augen glühten – und aus. Obwohl das Publikum jauchzte, kam sie nicht wieder, die Maus.

Und wieder saß man bis Mitternacht im Theater, und wieder hörte man am Ende dieselben sonderbaren Sätze: „das sind meine Walnüsse / ich spiele mit ihnen / wenn ich gehe / das hilft mir beim denken“.

Alle Wunder noch einmal? 1979 hatte Robert Wilson im alten Haus der Schaubühne am Halleschen Ufer sein Stück „Death Destruction & Detroit“ inszeniert; 1987 zeigt er im neuen Haus am Lehniner Platz eine „Fortsetzung“, einen „zweiten Teil“. „Willkommen im Paradies“, rief damals ein enthemmter Kritiker und beschwor, den „Triumph des Theaters über die Schwerkraft“ miterlebt zu haben.

Alles noch einmal? Nimmermehr. Daß man Sternstunden nicht wiederholen kann, daß Fortsetzungen fast immer schlechter sind als Anfänge, mußte nach „Faust“ und „Weißem Hai“ und vielen anderen nun auch Robert Wilson erfahren. Das Paradies ist geschlossen, die Schwerkraft hat das davongeflogene Theater erbarmungslos auf den Boden zurückgeholt.