Filme

„She’s gotta have it“ von Spike Lee

Der Film ist eine kleine schmutzige Komödie aus dem unabhängigen New York. Realisiert hat ihn Autor, Regisseur und Darsteller Spike Lee, der zusammen mit Jim Jarmusch an der New Yorker Filmhochschule studierte, mit Freunden und einem lächerlich geringen Budget von fünfundsechzigtausend Dollar. Den herrlich wehmütigen, vom Bebop inspirierten Soundtrack schrieb der Vater des Regisseurs. Vor der Kamera standen ausschließlich schwarze Schauspieler und dahinter ein schwarzes Team. Dennoch wendet sich „She’s gotta have it“ nicht nur an die schwarzen „Brüer“. Soviel anders als im schicken Manhattan gebärden sich die Stadtneurotiker im schwarzen Brooklyn gar nicht.

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Es geht um das turbulente Liebesleben von Nola Darling. Das große Bett in Nolas Loft müssen drei Männer miteinander teilen: der romantische Möchtegern-Familienvater Jamie Overstreet, der selbstverliebte Adonis mit dickem Schlitten und Bizeps aus dem Fitneßstudio Greer Childs und der kleine intellektuelle Spinner Mars Blackmon. Spike Lee selbst spielt diesen schwarzen Woody Allen mit der viel zu großen Brille, der die körperlichen Defizite gegenüber seinen Konkurrenten durch große Sprüche und Rennradfahren kompensiert oder indem er sich einen Schlüpfer über den Kopf zieht. Jeder der drei ist davon überzeugt, daß er der einzige ist, den Nola zu ihrem Glück braucht. Aber Nola will alle oder keinen.

Ironisch ist auch der Blick der Kamera. Spielerisch montiert Lee die Liebesnacht in Zeitlupe mit dem persönlichen Interview, in dem die verschmähten Liebhaber selbstmitleidig ihr Verhältnis zu Nola reflektieren: eine grellbunte Musical-Travestie mit traurig spröden Schwarz-Weiß-Fotos vom verschneiten New York. Stets wird der Zuschauer in dieses Spiel einbezogen, weil sich in ihm unsere verkorksten Rollenklischees brechen. Im Lachen darüber scheinen die Unterschiede zwischen Schwarz und Weiß für einen Moment aufgehoben. Krischan Koch

„Maschenka“ von John Goldschmidt

Ganin und Alferoff, russische Emigranten beide, sind im Fahrstuhl steckengeblieben. Für Ganin ein ärgerlicher Vorfall. Alferoff sieht darin ein Ereignis von symbolischer Bedeutung. Der diese Szene erfunden hat, ist Vladimir Nabokov. Sein erster Roman „Maschenka“ wurde jetzt, rund sechzig Jahre nach seinem Erscheinen, für die Leinwand adaptiert. Der Roman, eine Fingerübung nur, kommt, anders als die späteren Werke, ohne das Skandalon inzestuöser Liebe („Ada“) oder verbotener Leidenschaft („Lolita“) aus. „Maschenka“ handelt vom Schicksal einiger russischer Emigranten im Berlin der frühen zwanziger Jahre. Sein eigentliches Thema freilich ist die Erinnerung. Für Ganin, den jungen Emigranten in der Pension Dorn, wird sie für ein paar Tage so intensiv, daß die Erlebnisse von einst wirklicher werden als die Wirklichkeit.

Ein russischer Sommer, eine langhaarige Schöne mit schräg stehenden Augen; erste Liebe. Der russische Literat Podtjagin, ebenfalls Dauergast in der Pension Dorn, kann sich’s genau vorstellen: „... ein bißchen abgedroschen – sechzehn Lenze, Liebe im Grünen“. Damit hat er das Urteil über „Maschenka“, den Film, vorweggenommen. Wenn John Goldschmidt von der Liebe in sommerlicher Wald-, See- und Wieseneinsamkeit erzählt, inszeniert er glatte Bilder, die nicht selten an jene sterile Helligkeit erinnern, die man von Waschmittel- oder Seifenwerbespots kennt. Die Bilder aus dem Emigrantenmilieu – in Nabokovs Roman nehmen diese Passagen ungleich mehr Raum ein als im Film – hat man so oder ähnlich schon allzu oft gesehen. Auf das Schweben zwischen Himmel und Erde, das sich so beziehungsreich in der Eröffnungsszene ankündigt, wartet man im Film vergeblich. Anne Frederiksen

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