Von den Menschen dachte er nicht gut, der amerikanische Erzähler und Journalist Ambrose Bierce. An dem meisten, was sie heilig hielten, erlaubte er sich zu zweifeln – für ihn war es meist nur ein weiterer Beleg für ihren heillosen Schwachsinn. Und wenn er von etwas überzeugt war, dann von ihrer abgrundtiefen Selbstsucht. So resümierte er einmal, was er von der Welt hielt: „Dies ist eine Welt der Narren und Schurken, blind vor Aberglaube, gequält von Neid, verzehrt von Eitelkeit, eigennützig, falsch, grausam, geplagt von Illusionen – schäumend vor Wahnsinn.“

Da er aber kein verbitterter Apathiker war, sondern eine rauflustige Kämpfernatur, schäumend vor Witz (milden Humor mochte er gar nicht), hat er der Nachwelt einen Haufen scharfer, bissiger, pointierter Aperçus hinterlassen, die ihresgleichen suchen. Sie geben sich als Definitionen eines Lexikons, dessen erste Buchausgabe von 1906 deren Verleger „Das Wörterbuch des Zynikers“ nannte. 1911 erschien sie, erweitert, unter dem Titel, den Bierce der Sammlung von Anfang an zugedacht hatte: „Das Wörterbuch des Teufels“.

Ambrose Bierce wurde 1842 als Sohn eines allzu rechtschaffenen Farmerehepaars in Ohio geboren, tat sich als Offizier im Bürgerkrieg hervor und ging dann in den noch ziemlich Wilden Westen, nach San Francisco, wo er sich als Kolumnist und Kurzgeschichtenautor einen Namen machte, landesweit gefürchtet für seine Bosheiten. 1896 ließ er die Händel der Westküste hinter sich und ging als Korrespondent nach Washington. 1913 begab er sich in die Wirren der mexikanischen Revolution, wo er planmäßig verscholl. Die ersten Einfälle zu seinem Teufelslexikon hatte er 1869; dann sammelte er bis zum Lebensende.

Zur Zeit gibt es vier Auswahlbände in deutscher Sprache: der älteste, besorgt von Dieter E. Zimmer, erschien erstmals 1966 im Insel-Verlag; der neueste, von Gisbert Haefs, 1986 im Haffmanns Verlag. Die kleinere Kollektion, die wir hier – mit Fortsetzung in den folgenden Ausgaben – bieten, bedient sich gleichmäßig aus beiden. Dazwischen erschien 1981 bei dtv noch eine zweisprachige Auswahl von Richard Fenzl und 1984 bei Dausien eine von Hans Petersen.

Wer sie genauer liest, wird merken, daß dieser Teufel ein Moralist war – ein Mann, der die Gabe hatte, sich von Dummheit und Egoismus immer wieder aufs neue lustvoll enttäuschen zu lassen.

D.E.Z.