Von Burkhard Kieker

Bremen

Es ist schamlos, es ist unerhört, es ist skanda-Erlös“, erregte sich Bernd Neumann, CDU-Fraktionschef in der bremischen Bürgerschaft. Anlaß für soviel Empörung – (Beifall bei der CDU) vermerkt das Parlamentsprotokoll – ist ein kleines Denkmal, „gegen das wir solange kämpfen werden, bis es verschwunden ist“ (Neumann).

Der Stein des Anstoßes ist ein 120 Zentimeter hoher Betonklotz, aus dem eine Soldatenbüste mit schiefem Stahlhelm ragt. Ein Schild trägt die Widmung „Dem unbekannten Deserteur“.

Im vergangenen Oktober war es der radikalpazifistischen Gruppe „Reservisten verweigern sich“ aus Bremen gelungen, für ihr selbstgebasteltes Denkmälchen einen repräsentativen Platz im Gustav-Heinemann-Bürgerhaus in Bremen-Vegesack zu finden. Abseits der überall herumstehenden Kriegerdenkmäler mit ihren vom Grünspan zerfressenen Totentafeln „für die Gefallenen beider Weltkriege“ will die Gruppe an die Männer erinnern, die aus Angst, Verzweiflung oder Gewissensnöten das Gewehr wegwarfen, desertierten und dafür meist bald darauf standrechtlich erschossen oder mit dem Schild „Ich bin ein Schwein“ aufgehängt wurden.

Über 14 000 deutsche Soldaten wurden im Zweiten Weltkrieg wegen Desertion von ihren Kameraden hingerichtet. Die „Ehrlos-Urteile“, die von Kriegsrichtern im Schnellverfahren über sie gesprochen wurden, gelten noch heute.

Ganz im Sinne kritischer Vergangenheitsbewältigung stellte die Behörde von Kultursenator Horst-Werner Franke den Platz im Bürgerzentrum zur Verfügung. Für Materialkosten kassierte die Pazifistengruppe 800 Mark Senatszuschuß. Doch schon bei der feierlichen Aufstellung der Skulptur, die „künstlerisch nicht besonders erwähnenswert ist“, wie es Bremens Bürgermeister Klaus Wedemeier (SPD) heute diplomatisch umschreibt, entpuppten sich Idee und Ausführung der Reservistengruppe als brisantes Kuckucksei.