Sprengstoffanschlag des Verfassungsschutzes "Feuerzauber" mit dunklen FigurenSeite 4/4

Er habe den Einschleusungsversuch für eine gute Sache gehalten, sagte als bisher vorletzter Zeuge Gerhard Boeden, heute Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Schon Ende 1977 sei er informiert gewesen, am 21. April 1978 habe er dann in Bonn in der niedersächsischen Landesvertretung an dem Gespräch mit Maihofer, Albrecht und Groß teilgenommen. Zunächst habe er einen Vortrag über den bisherigen Stand des Planes gehalten, anschließend sei es um die Begnadigung von Loudil gegangen. Also doch Erinnerungslücken bei Ex Innenminister Groß? Boeden dazu: „Ich hatte nicht den Eindruck, daß Herr Groß nicht eingeweiht war. Aber ich habe keine Beweise, daß er tatsächlich informiert war " Ob Innenminister Groß wirklich Bescheid wußte, ließen auch die Aussagen von Ministerpräsident Albrecht offen. Es sei „möglich", daß die Verfassungsschützer den Innenminister informiert hätten. Er selbst habe nach der Landtagswahl am 4. Juni 1978 wahrscheinlich nicht mehr mit dem Innenminister darüber gesprochen. Es sei ja klar gewesen, daß Groß nicht im Amt bleibe. Offen blieb auch, ob Maihofer tatsächlich den Bundeskanzler informiert hatte. Er habe zwar um einen Brief des Kanzlers gebeten, um so die Begnadigung von Loudil durch den hessischen Ministerpräsidenten zu erreichen. Der Brief vom Bundeskanzler sei aber nicht gekommen, statt dessen hätte Maihofer unterschrieben.

„Wie ein kleiner Gauner" wolle sich Albrecht aus der Verantwortung stehlen, so schimpfte SPDFraktionsvorsitzender Gerhard Schröder nach der Vernehmung. SPD und Grüne sinnen nun darüber nach, ob sie gegen Albrecht vor dem Staatsgerichtshof klagen. Der Ministerpräsident habe immerhin die Ressortverantwortung des Innenministers ausgeschaltet, meint das Ausschußmitglied der Grünen, Jürgen Trittin. Ausschußvorsitzender Heiner Herbst denkt unterdessen über weitere Zeugen nach, darunter auch Maihofer.

Die Untersuchung werde daher noch länger dauern, möglicherweise bis ins nächste Jahr hinein. Zwei wichtige Zeugen allerdings werden fehlen. Ministerialdirigent Jürgen Wiche, der die „Aktion Feuerzauber" in Gelle leitete und auf den in den Vernehmungen immer wieder Bezug genommen wurde, ist vor zwei Jahren gestorben. Und Werner Mauss ließ bereits mitteilen, daß er vor dem Ausschuß nicht aussagen werde. Begründung: „Gefahr für Leib und Leben Schon dem zehnten Untersuchungsausschuß war es nicht gelungen, Mauss zu hören.

 
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