„Chronik eines angekündigten Todes“ von Francesco Rosi

Die Karibik ist ein Raum, der schwer zu vermessen ist. In ihm blüht der Glaube an Wunder wie an Gewalt. Kein Wunder, daß der kolumbianische Autor Gabriel García Márquez in seinem Werk Leidenschaften beschreibt, die stärker sein wollen als die übermächtige Natur. Rosis Film dagegen hält die Leidenschaft für photogen, da er hübsche junge Darsteller besetzt, deren Gesichter makellose Flächen für romantische Kinoträume bieten. Die Karibik wird hier ein Schauplatz, der aus Werbefilmen bekannt ist, in denen alerte Menschen auf Flußfahrten im Urwald eine neue leichte Zigarette entdecken. Das Blattwerk der Natur, das Hochzeitsfest, die tropische Nacht sind fabelhaft ausgeleuchtet. Wo Montage früher einschneidende Erkenntnis war, lutscht sie jetzt Zuckerwatte aus den Bildern. Ebensowenig, wie der Film mit dem Roman zu tun hat, hat er mit früheren Filmen des Regisseurs zu tun. Rosi, einst harter Chronist, ließ sich gemächlich im Schatten des Mythenbaumes nieder. Karsten Witte

„Unternehmen Heartbreak Ridge“

von Clint Eastwood

Tom Highway, Sergeant der US-Marine, Träger der Ehrenmedaille, kahlgeschorener und von Narben übersäter Veteran. Ohne zu zweifeln, ohne zu fragen, warum und wieso, ging er, wohin man ihn schickte: nach Korea, nach Vietnam und nun auch noch nach Grenada. Clint Eastwood spielt ihn als einen jener obsessiven Krieger, die immer unterwegs sein müssen, um überall zu verteidigen, was sie selbst zum höchsten Gut erklärt haben. Im Grunde ist Highway ein lächerlicher Typ. Ohne den Krieg ist er zu nichts nütze. Höchstens dazu, andere Männer zu drillen, damit sie genauso eklig, borniert und brutal werden wie er selbst. Seitdem man ihm das Herz gebrochen hat, hoch oben auf einem Bergkamm in Korea, funktioniert er wie ein Zombie, der weder zum Leben noch zum Lieben taugt.

Eastwood erzählt auch hier, ohne seine Absicht in jedem Bild zu enthüllen. Es bleibt ein Überschuß. Das Ideologische bringt Eastwood eben nicht direkt in die Bilder, wie so viele mißverstehen.. Es ist der Gegenstand seiner Inszenierungen.

Norbert Grob