Richtungslos geht die Sozialdemokratie nicht in die Zeit nach Brandt. Ihr scheidender Vorsitzender hat noch einmal das wichtigste Ziel vorgegeben, an das sich die Partei halten soll – und wird: die Bewahrung der Freiheit. Dieses Vermächtnis ist so gültig, wie das Parteitagsmotto „Tradition und Perspektive“ alle Zeiten umspannt.

Doch wie soll die Freiheit aussehen, für die Sozialdemokraten heute kämpfen? Gewiß hat die Freiheit von Willkür, Angst und Not in ihnen noch immer einen beredten Fürsprecher. Aber wegen ihres Glaubens an die umfassende Fürsorge des Übervaters Staat haben viele Genossen einen weiten Weg vor sich, bevor sie die Freiheit auch zum Risiko bejahen.

Diesen Weg soll nun ein Vorsitzender weisen, der eher als Justitiar denn als Schöpfer des Wandels geeignet erscheint. Als strahlende Statue ist Hans-Jochen Vogel in der Tat nur schwer vorzustellen. Mit seinem Drang nach Fleiß und Disziplin jedoch könnte er die Geschlossenheit schmieden, die der SPD frische Kraft und neuen Siegeswillen verleiht. Beides wird die SPD brauchen, wenn sie ihre Hauptaufgabe erfüllen will. Die Freiheit fordern kann eine Partei auch in der Opposition. Die Freiheit fördern, das gelingt besser an der Macht. D. B.