Von Heinz Blüthmann

Walter Hiller, Chef des Gesamtbetriebsrats von Volkswagen, hatte zusammen mit der Gewerkschaft IG Metall seine Kollegen von BMW, Daimler-Benz, Ford, Opel und Porsche in die Wolfsburger Stadthalle geladen. Erst hieß Hiller die Crème der deutschen Automobilarbeiter herzlich willkommen.. Dann malte er ihnen den Teufel an die Wand: die japanische Konkurrenz.

„Die europäische und die deutsche Automobilindustrie befinden sich in einem Überlebenskampf und laufen Gefahr, an den Rand zu geraten“, klagte Hiller mit sorgenvoller Miene vergangenen November auf dem Wolfsburger Symposium über die Zukunft der Branche. Der Grund für die bedrohliche Lage: In „einem erbarmungslosen Verdrängungswettbewerb“, bei dem deutsche und amerikanische Autohersteller kräftig Federn lassen mußten, schraubten die japanischen Produzenten seit 1970 ihren Weltmarktanteil „von 14,1 Prozent auf sage und schreibe 23,3 Prozent“ (Hiller) hoch.

Um gegen die aggressiven Japaner das Überleben der deutschen Automobilindustrie zu sichern, die heute direkt und indirekt vier Millionen Menschen – jedem siebten Erwerbstätigen in der Bundesrepublik – Lohn und Brot verschafft, forderte der VW-Chefbetriebsrat in den vergangenen Monaten mehrfach von der Bundesregierung harte Sanktionen gegen die fernöstlichen Konkurrenten. Zum Schutz der deutschen Autojobs schlug Hiller, der auch Sitz und Stimme im Aufsichtsrat von Volkswagen hat, sogar eine „Arbeitsplatz-Sicherungsabgabe“ vor, die beim Import japanischer Autos fällig werden sollte.

Mit dieser handelspolitischen Monstrosität wollte der Volkswagen-Mann Toyota, Nissan, Mazda, Honda & Co. die gut und immer besser gehenden Geschäfte hierzulande gründlich versalzen.

Seit der vergangenen Woche ist das nun alles ganz anders: Volkswagen, der nach Stückzahlen größte Autoproduzent in Europa, von dessen stimmberechtigtem Kapital der Bund und das Land Niedersachsen je zwanzig Prozent halten, will als erstes Unternehmen der Branche auf deutschem Boden mit den Japanern gemeinsame Sache machen.

Hiller und Wolfsburger Manager müssen wohl ihre Sprüche von gestern schnellstens vergessen und mit Stäbchen essen lernen.