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Halb verlegen, halb sendungsbewußt lassen die britischen Hotels der Extraklasse wissen, daß sie ihre Gäste demnächst nicht nur mit Parfumfläschchen und Seife versorgen, sondern auch mit kostenlosen Kondomen. Begründung eines Direktors: „Das Management hat sich dazu entschlossen, die Regierung in ihrer Anti-Aids-Kampagne zu unterstützen.“ Um niemanden zu genieren, werden die Kondome zusammen mit Verbandsmaterial und Kopfschmerztabletten als Erste-Hilfe-Packung kredenzt ( first-aid kit). Die Amerikaner, ansonsten skeptisch gegenüber Kondomen als Mittel zur Bekämpfung der Seuche, ziehen mit. Unverhoffte Nutznießer in einem Washingtoner Hotel in diesen Tagen: die Delegierten der weltweit beachteten Aids-Konferenz.

Öl-Druck

Die Sowjets verringern ihre Öllieferungen an Nicaragua. Dem sandinistischen Regime bereitet diese Knauserigkeit jedoch mehr als zusätzliche Probleme bei der Energieversorgung. Weil das Öl spärlicher aus der Sowjetunion fließt, muß sich Managua jetzt an lateinamerikanische Lieferanten wie Mexiko und Venezuela wenden. Doch die wollen harte Devisen sehen, über die das sandinistische Regime kaum verfügt. Spekulationen besagen, daß Nicaragua mit politischem Entgegenkommen bezahlen wird. Dies wiederum könnte zu einer Wiederbelebung des Contadora-Prozesses zur Befriedung Mittelamerikas führen, an der Mexiko und Venezuela sehr interessiert sind.

Amnestie-Kosten

Nach außen hin stellt die argentinische Regierung das Amnestiegesetz für die uniformierten Mörder des „Schmutzigen Krieges“ als Erfolg dar: Die Politik habe ein dunkles Kapitel ordnungsgemäß-demokratisch abgeschlossen. Intern wird die Entwicklung aber als böser Rückschlag für den Präsidenten Raúl Alfonsín bewertet, der seitdem auf Auslandsreisen in großen Reden die Stabilität der argentinischen Demokratie beschwört. Das Präsidentenamt beschafft zur Zeit in einer Großaktion alle ausländischen Zeitungskommentare und Abschriften der Rundfunk- und Fernsehsendungen – auch als Munition im Kampf Alfonsins um die wegen seiner Politik zerstrittenen Flügel seiner Radikalen Partei.

Schlechter Ruf

Die Herzen und die Köpfe der Westeuropäer sind schwer zurückzuerobern. Was über Amerika gedacht wird, läßt sich aus einer Umfrage erkennen, welche die U. S. Information Agency bei europäischen Meinungsforschungsinstituten in Auftrag gegeben hatte. 49 Prozent der Briten, 38 Prozent der Franzosen, gar 53 Prozent der Westdeutschen zweifeln daran, daß die Amerikaner einen Vertrag über die Abschaffung atomarer Mittelstreckenraketen einhalten würden. In Sachen Abrüstung genießen die Sowjets derzeit weit mehr Vertrauen: 63 Prozent der Briten, 45 Prozent der Franzosen und 72 Prozent der Westdeutschen halten Gorbatschow für glaubwürdiger. Die Mehrheit der Westeuropäer ist übrigens der Ansicht, die Null-Lösung sei in Moskau erdacht worden; dabei hatte Washington diese Idee schon 1981 ins Spiel gebracht.