Mitten in der Inflation, „als eine Mohrrübe 10 000 Mark kostete und Mutter sich ihren Unterricht in Briketts bezahlen ließ“, wurde Marie Marcks am 25. August 1922 in Berlin geboren.

Das Architekturstudium brach sie gegen Kriegsende ab, heiratete und widmete sich den „nicht abgebrochenen Versuchen, fünf Kinder zu erziehen“. Diesem Umgang mit ihren „notorischen fünf Kindern“ verdankt sie nach eigenem Urteil zahllose Anregungen.

Die Karikaturen, Cartoons und Graphiken der Marie Marcks sind Zeitkritik in satirischen, polemischen, knapp pointierten Bildgeschichten. Ihre gestrichelten Sticheleien täuschen: Auf den ersten Blick haben sie trügerische Sanftmut. Raffinierte Camouflage: Beim zweiten Hinschauen zeigt sich scharfer Biß. Allerdings kommt der Graphikerin über dem Engagement gegen Tartüffs, Spießbürgern, Militarismus und Herdengesinnung niemals der Sinn für Situationskomik abhanden.

In ihren zahlreichen Büchern hat sie thematisiert, paraphrasiert, glossiert, was in den späten sechziger, in den siebziger und achtziger Jahren wichtig war und ist: Emanzipation und $ 218, Partnerschaftskonflikte und atomare Aufrüstung, Umweltskandale und Politiker-Leerformeln.

Daß diese Künstlerin, die Witz, handwerkliche Bravour und Courage mit einer unverwechselbaren graphischen Handschrift verbindet, schon 65 Jahre alt wird, will niemand glauben, der ihre bissigen, in Riesenwolken unverschämter Sprechblasen gehüllte Karikaturen sieht.

Zeichnen sei eine Möglichkeit, auf dem Papier zu denken, sagte Steinberg. Voilà! Marie Marcks macht das vor. U. B.

Zeichnung aus: Marie Marcks „O glücklich, wer noch hoffen kann ...“; Elefanten Press, Berlin