Die erste große Parlamentsdebatte nach der Sommerpause hat wieder einmal erschreckend gezeigt: Unsere Parlamentarier tun sich schwer, rhetorischen Glanz zu entfalten. Dabei hätten die Parlamentarier alles sehr viel geschliffener bringen können, hätten sie die Sommerpause zur Lektüre eines neuen Werkes genutzt, das zur rechten Zeit erschienen ist. Der Bonner Verlag Norman Rentrop hat ein „Handbuch für erfolgreiche Reden im Betrieb, in der Öffentlichkeit und im Privatleben“ herausgebracht.

„Der Redenberater“ ist von einem Dutzend Autoren verfaßt, die es wissen müssen, schließlich haben viele ihr Handwerk als Ghostwriter bei Politikern und Vorstandsmanagern gelernt. Die bekanntesten sind Friedhelm Franken, Thilo von Trotha oder Michael Bürsch, der vor allem die Reden von Ex-Kanzler Helmut Schmidt vorbereitet hat. Große Vorbilder werden aufgefahren, etwa der Grieche Isokrates, der schon 400 Jahre vor Christus einem zyprischen Fürsten als Ghostwriter diente – für 20 Talente, dem Gegenwert von 500 Kilo Gold. Soviel Geld brauchen Politiker heute nicht mehr auszugeben, ihre Redenschreiber sind gewöhnlich Beamte mit Pensionsanspruch.

Auf mehreren hundert Seiten enthält das Redner-Handbuch Tips für jede Gelegenheit, für Seriöses wie für Humorvolles; für letzteres konnte John F. Kennedy stets zur Humor-Akte seines Redenschreibens Sorensen greifen. Griffige Pointen sind auch nachzulesen, auch zum Gebrauch, wie etwa die des ungarischen Börsenspekulanten André Kostolany: „Die ganze Börse hängt nur davon ab, ob es mehr Aktionäre gibt als Idioten oder mehr Idioten als Aktien.“ Eine Fundgrube mithin für jeden, der rhetorisch glänzen will und sei es nur, daß er sich geschickt mit fremden Federn schmückt. Man muß eben nur nachschlagen – bei Heinrich von Kleist, Lee Iacocca, Fritz Erler, Kennedy oder Martin Luther King. Vorbilder gibt es reichlich zum Nachahmen.

Weil zum guten Rhetoriker auch der gute Ton gehört, empfiehlt sich zugleich die Lektüre eines neuen, ebenfalls kürzlich erschienen Benimmbuches, „Knigge International“ (bei Econ, 39,80 Mark). Verfasser ist der Protokollchef des Deutschen Industrie- und Handelstages Heinz Commer. Auf 400 Seiten hat Commer. 300 Stichwörter und 3300 Hinweise über „Ungeschriebene Gesetze und richtige Umgangsformen im Ausland“ zusammengetragen. Wo und wann trägt man welche Kleidung, wie sieht es mit dem Trinkgeld aus, und wie macht man sich am besten in Frankreich beliebt: zum Beispiel mit dem „Lob des technischen Könnens der Franzosen“? Zur möglichen Begegnung mit Indianern hat der DIHT-Meister des Protokolls Besinnliches beigesteuert: „Wir müssen uns darüber im klaren sein, daß die Behandlung der Indianer durch uns Europäer in Vergangenheit und Gegenwart mit Recht als negativ und beschämend anzusehen ist.“ Wegweisend für Begegnungen mit Ausländern ist nach Commers Ansicht die Maxime von Bundespräsident Richard von Weizsäcker, die er seinem Opus vorangestellt hat: „Es bedarf der humanen Feinfühligkeit, um zueinander zu kommen.“

Wer nach so viel Lektüre noch die Geduld aufbringt, sich die Broschüre „Betriebsklima geht jeden an“ des Münchener Psychologen Lutz von Rosenthal zuzumuten, hat am Ende die Chance, sich auch noch zum guten Vorgesetzten aufzumöbeln. Streng wissenschaftlich, daher schwer verdaubar, hat Rosenthal dargelegt, wie ein wahrhaft guter Vorgesetzten zu sein hat, wie er notfalls sogar revolutionären Bewegungen in seinem betrieblichen Umfeld begegnen kann. Eine für jede Karriere wichtige Frage bleibt allerdings auch nach der Lektüre aller drei Werke weiter offen – die Antwort darauf, wie man am besten oben bleibt, wenn man dort einmal angelangt ist.

Wolfgang Hoffmann