Sechs Jahre sollst Du Dein Feld bestellen ... Im siebten aber soll das Land völlige Ruhe haben“ – mit diesen Worten forderte schon die Bibel das Volk Israel zu einem Arbeitsrhythmus auf, der die Kräfte und Ressourcen der Natur schonen sollte.

Seit Anfang September bestimmt diese biblische „Sabbatjahr“-Vorschrift nun auch den Arbeitsrhythmus von sieben Diplomtheologen im Erzbistum Freiburg.

Nach einem Modell, das die Gruppe in Eigeninitiative entwickelte und mit dem Ordinariat der Diözese abstimmte, verzichten die sieben in den Kirchengemeinden tätigen Pastoralreferenten in den kommenden sieben Jahren auf ein Siebtel ihres Gehaltes und ihrer Arbeitsstelle. Gleichzeitig aber kommen alle Gruppenmitglieder im Verlauf der kommenden sieben Jahre in den Genuß eines arbeitsfreien „Sabbatjahres“. Das Erzbistum Freiburg erprobt damit als erste deutsche Diözese dieses Modell der Arbeitszeitverkürzung, das flexiblere Arbeitszeitstrukturen zulassen und gleichzeitig neue Arbeitsplätze schaffen könnte.

Verzichten die sieben Pastoralreferenten nämlich nach dem Rotationsprinzip auf jeweils ein Siebtel ihrer Arbeitszeit und ihres Gehaltes, so kann das Erzbistum ohne zusätzliche Lohnkosten einen weiteren Diplomtheologen einstellen. Bei steigenden Bewerberzahlen – allein im Erzbistum Freiburg bewarben sich in diesem Jahr 38 Theologen um acht Stellen der Pastoralreferenten-Ausbildung – könnte die Kirche als einer der größten Arbeitgeber der Bundesrepublik ihrer sozialen Verantwortung besser gerecht werden.

Für Matthias Berg, derzeit Pastoralreferent in der Freiburger Katholischen Hochschulgemeinde und Sprecher der Initiative, eröffnen sich durch den biblischen Arbeitsrhythmus ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten des Berufs- und Familienlebens. „Nach sechs Jahren Arbeit in einer Gemeinde wäre sowieso ein Wechsel angebracht“, sagt er. „Mit Hilfe des Sabbatjahres könnte ich in Ruhe meine Sachen packen und mich auf eine neue Aufgabe vorbereiten. Zudem habe ich dann soviel Zeit für meine Kinder, daß meine Frau den Einstieg in ein neues Berufsleben planen kann.“

Der Verzicht auf ein Siebtel seines Gehaltes bedeutet, daß Matthias Berg während der sieben kommenden Jahre – das heißt auch während des Urlaubsjahres – monatlich jeweils 86 Prozent seines Normalverdienstes ausbezahlt erhält. „Nicht für alle kirchlichen Berufsgruppen kann das Sabbatjahr-Modell deshalb Vorbild sein“, schränkt Berg ein. „Für die niedrigeren Gehaltsgruppen, wie etwa die Gemeindereferenten, wäre ein solcher Gehaltsverzicht wohl nicht tragbar. Auch hat in unserer Gruppe niemand mehr als zwei Kinder oder große finanzielle Verpflichtungen durch Hausbau.“

Das Freiburger Projekt ist zunächst auf sieben Jahre begrenzt. Bis dahin soll sich zeigen, ob soviel Planung und Absprache praktikabel ist: Die sieben Pastoralreferenten müssen sich auf den Ablauf der Rotation einigen; die durch das Sabbatjahr frei werdenden Stellen müssen wieder besetzt werden.