Von Dirk Kurbjuweit

Deutsche Urlauber benehmen sich wie Rüpel, trompetete im Frühjahr wochenlang das englische Boulevardblatt Sun. Die Krauts würden in aller Herrgottsfrühe aufstehen, nur um vor den Touristen aus England die besten Liegestühle zu besetzen. Am Buffet stürzten sie sich auf die leckersten Happen, so daß für die Engländer nur dekorative Petersilie übrigblieb.

Die seriöse Financial Times berichtete nun von einer späten Genugtuung für die übervorteilten englischen Touristen. Die Deutschen nämlich, so schrieb das Blatt, müßten für ihr rüdes Auftreten teuer bezahlen. Denn ein vergleichbarer Urlaub koste sie weit mehr als die Engländer. Und dafür gibt es handfeste Beweise (während die Frage, ob Rüpel oder nicht, in einem schmutzigen Zeitungskrieg zwischen Sun und Bild umstritten war).

Die Financial Times bezog ihren ironischen Triumph auf eine Studie des Kölner Instituts Für Angewandte Verbraucherforschung (IFAV), die vor allem in der Bundesrepublik viel Staub aufgewirbelt hat (siehe auch Seite 65 „Tiefschlag für Veranstalter“). Im Auftrag der Kommission der Europäischen Gemeinschaft wälzten die IFAV-Mitarbeiter die Kataloge von 101 Reiseveranstaltern aus sieben europäischen Ländern, darunter Großbritannien, der Bundesrepublik und den Niederlanden. Sie suchten Hotels am Mittelmeer heraus, die mehrere Veranstalter parallel im Programm haben, und verglichen Preise für einen zweiwöchigen Aufenthalt bei einem Abflugtermin zwischen dem 25. Juli und dem 1. August. Wegen der besseren Vergleichbarkeit wurden die Preise in die Europäische Rechnungseinheit Ecu umgerechnet (ein Ecu entspricht etwa 2,10 Mark). Ziel der Studie war, daß „die Verbraucher den Reisemarkt als internationalen Markt begreifen, der ihnen offensteht“.

Was da so harmlos klingt, hat im Ergebnis eine Menge Brisanz. Denn den deutschen Touristen wird vorgerechnet, daß im Schnitt niemand mehr für einen Urlaub zahlen muß als sie. Bei 57 Angeboten forderten 37mal deutsche Veranstalter den höchsten Preis. Die Engländer dagegen kamen in vierzig Hotels am billigsten weg.

Für einen Urlaub im Hotel „Hermes“ auf Kreta zum Beispiel müssen die Urlauber aus Hamburg oder Bochum fast doppelt so viel bezahlen wie die Liegestuhl-Nachbarn aus Liverpool oder Coventry. Der Kölner Veranstalter ITS verlangt für vierzehn Tage „Hermes“ 1124,70 Ecu. Beim englischen Veranstalter Horizon bezahlt man für die gleiche Reise 595,30 Ecu. Die Engländer sparen als 529,40 Ecu oder rund 1100 Mark und könnten dafür gleich den Winterurlaub mitbuchen.

Das ist der Extremfall. Aber auch sonst handelt es sich nicht nur um ein paar Mark Unterschied. Die Differenz liegt in den 37 Fällen fast immer bei mindestens zwanzig Prozent, oft sind es vierzig, hin und wieder siebzig Prozent. Interessant ist zum Beispiel der Vergleich zwischen dem deutschen Veranstalter NUR und seiner Tochter Neckermann Belgien. Für das Hotel „Galva Sol“ an der Costa Bianca verlangt die deutsche Mutter 840,65 Ecu. Wer in Belgien bucht, zahlt nur 713,60 Ecu.