Auf einem internationalen Kongreß der Grünen in Stockholm wurde den Vertretern aus der Bundesrepublik vorgeworfen, sie zeigten zu geringes Interesse an grenzüberschreitender politischer Arbeit. Petra Kellynimmt Stellung zu dieser Kritik.

ZEIT: Sind die deutschen Grünen provinziell geworden?

Kelly: Ja. Und die deutschen Grünen sind sehr deutsch geworden und werden immer deutscher. Sie betrachten zu sehr ihre eigenen Probleme, ihre eigenen Projekte. Ich kritisiere auch seit Jahren die mangelnde finanzielle Unterstützung von Umweltbewegungen zum Beispiel in Osteuropa oder auch in der Dritten Welt.

ZEIT: Wären die deutschen Grünen finanziell und organisatorisch überhaupt in der Lage, auf internationaler Ebene aktiver zu werden?

Kelly: Man kann sagen, daß die deutschen Grünen durch die Wahlkampfkosten-Rückerstattung die reichste grüne Partei ist, die es zur Zeit überhaupt gibt. Viele Leute innerhalb der Grünen möchten gern weit mehr machen. Das heißt nicht, daß sie andere ausländische Gruppen dominieren oder ihnen ihre Meinung aufdrücken wollen. Aber das Argument einiger deutscher Grüner – auch aus der Europa-Fraktion – in Stockholm war ja: Wenn wir Geld geben, dann wollen wir es auch kontrollieren. Das ist ein typisch deutscher Zug. Leider.

ZEIT: Es geht nicht nur ums Geld...

Kelly: Das ist richtig, aber die Kritik in Stockholm war, daß die deutschen Grünen zwar viele Ideen einbringen, aber wenn es darum geht, sie gemeinsam mitzutragen und zu finanzieren, gleich schreien: „Nein, nein, wir haben da unsere Ökofonds zu Hause.“