Ein vergessenes und verdrängtes Kapitel unserer Geschichte

Von Klaus Bednarz

Sie galten als Feiglinge, Verräter und Drückeberger – die Fahnenflüchtigen der Deutschen Wehrmacht – im Zweiten Weltkrieg. Und dieses Stigma hängt ihnen noch heute an. Als unlängst im Bürgerhaus von Bremen-Vegesack ein „Denkmal des unbekannten Deserteurs“ errichtet wurde, gab es für die Verantwortlichen anonyme Morddrohungen, sah sich Bundesverteidigungsminister Manfred Wörner höchstpersönlich zu einem Protestbrief veranlaßt, versprach der örtliche CDU-Chef Bernd Neumann, der schon die Idee „schamlos, unerhört und skandalös“ fand, solange „gegen dieses Denkmal zu kämpfen, bis es verschwunden ist“.

Dabei hat es durchaus prominente Deserteure gegeben, Alfred Andersch etwa, Hans Werner Richter oder Heinrich Böll, der in den letzten Kriegsmonaten fahnenflüchtig war. Und Kurt Tucholsky hatte schon 1925 eine Gedenktafel gefordert, auf der die Inschrift stehen sollte:

Hier lebte ein Mann,

der sich geweigert hat,

auf seine Mitmenschen zu schießen.