Von Gunhild Freese

Überall in Deutschland, so freute sich das deutsche Massenblatt Bild, „gibt’s in diesen Tagen Tennis-Partys“. Denn weil der Privatsender SAT 1 die Spiele aus Flushing Meadow exklusiv überträgt und längst noch nicht alle Deutschen verkabelt sind, laden, so wußte das Fünfgroschenblatt zu berichten, „Kabel-Seher Freunde und Bekannte ein“. Klar, daß die nächtlichen Tennis-Partys schon als voller Erfolg gefeiert wurden, die Idee stammte schließlich von Bild selbst. Da machte es denn auch nichts weiter, daß der deutsche Tenniscrack Boris Becker schon vorzeitig aus dem Spitzenturnier in New York ausschied und Steffi Graf sich im Endspiel einem Schnupfen und der Navratilova beugen mußte.

Schon ein paar Tage vor Bild hatte auch das Hamburger Abendblatt das Tennis-TV-Großereignis redaktionell angemessen gewürdigt: „Privat-TV ist live dabei“, jubelte das Regionalblatt von der Alster.

Die Bemühungen der beiden Zeitungen um den privaten TV-Sender SAT 1 dienen freilich weniger der Informationspflicht der Blätter – Fernsehprogramme kann schließlich jeder selbst lesen. Vielmehr waren sie massive Werbung für den Privatsender. Denn Bild wie Abendblatt sind Erzeugnisse des Hamburger Springer-Verlages, und der hat nur allergrößtes Interesse am Wohlergehen von SAT 1, ist er doch dessen wichtigster Gesellschafter und Finanzier.

Der ganz große Erfolg blieb den Springer-Blättern indes bei ihren Bemühungen versagt. Zwar erwartete, sicherlich bestärkt durch die massive Werbung, SAT-1-Chefredakteur Karl-Ulrich Kuhlo für das Damen-Endspiel laut Bild „mehr als eine Million Zuschauer“. Aber dann kam der Sender nur auf rund 800 000. Die Idee mit den Partys war wohl doch nicht so gut.

Der Vormarsch der jungen privaten Fernsehanstalten vollzieht sich bisher zäh. Die neuen TV-Kanäle SAT 1 und RTL plus, die bislang auf das Kabel der Post angewiesen waren, können derzeit von nur 2,3 Millionen Haushalten gesehen werden – gerade etwa zehn Prozent sämtlicher bundesdeutscher Haushalte.

Seit die Deutsche Bundespost nun auch freie terrestrische Frequenzen entdeckt hat und diese an die beiden einzigen bisher bundesweit sendenden Privatkanäle zuteilt, können sie aber auf schnellere Markteroberung hoffen. Doch auch davor stehen technische Widrigkeiten, müssen doch interessierte Kunden ihre Antennen umbauen oder gar erneuern lassen. So müssen sich die Privaten denn auch gelegentlich etwas Besonderes einfallen lassen, um der potentiellen Kundschaft ihre Programme ans Herz zu legen.