Obwohl sie eitel Sonnenschein verkaufen, führen sie im bunten Blätterwald ein Schattendasein – sie lassen sich weder abonnieren, noch am Kiosk kaufen. Trotzdem sind die Bordmagazine der Luftverkehrsgesellschaften eine publizistische Macht: Rund 140 Gazetten fliegen derzeit exklusiv für ihre Linie durch die Lüfte. Dabei sind die Zeitschriften meist kein Zuschußgeschäft. Die Deutsche Lufthansa zum Beispiel verdient prächtig an ihrer sechsmal im Jahr erscheinenden Jet-Postille. Bei Anzeigenpreisen von 55 000 Mark pro Seite erwartet das Kölner Unternehmen in diesem Jahr nach Schätzungen einen Gewinn von rund sechs Millionen Mark. Das Blatt der deutschen Airline spielt denn auch die erste Geige im internationalen Vergleich: Die Auflage ist mit 450 000 Exemplaren weltweit die höchste, nur die Gazette der Swissair und Airways der australischen Qantas können da in etwa mithalten. Selbst der Pionier der Bordbuchmacher – Pan Am schrieb das erste Kapitel in diesem Stück Pressegeschichte mit dem Magazin Clipper Anfang der sechziger Jahre – muß da zurückstecken: 260 000 Exemplare finden alle vier Wochen ihre Leser.

Doch ob die Auflage nun bei 25 000 Exemplaren wie bei Golden Falcon der Gulf Air liegt oder Höhen wie das Lufthansa-Blatt erreicht: Gelesen werden die Magazine nach Auskunft ihrer Macher und deren Werbung treibenden Kunden ebenso intensiv wie traditionelle Zeitschriften. „Die Bordmagazine bieten den Vorzug“, kommentiert der Deutschland-Chef einer bekannten Cognac-Marke einen Anzeigen-Großauftrag seines Unternehmens, „daß die Leserschaft in einer Art zeitlich begrenzter Gefangenschaft Muße zum Studium dieser Publikationen hat.“

Zwar sei eine große Zahl von Bordmagazinen „auf dem Stand der Duty-free-Einkaufslisten“ stehengeblieben, urteilte jüngst die Münchner Fachzeitschrift Werben und Verkaufen, doch andere wiederum hätten die „Entwicklung zum High-Quality-Produkt durchgemacht“. Bestes Beispiel: Ahlan Wasahlan der Saudi Arabian Airlines, heute mit einer Auflage von 150 000 Exemplaren das größte Monatsblatt der Saudis. tdt