Japaner haben nur ein begrenztes Interesse an deutschen Aktien

Seit Mitte August häufen sich in deutschen Börsenbriefen und Anlagegazetten die Sensationsmeldungen über eine Geldinvasion. „Die Japaner sind da!“ schrieb etwa der Frankfurter Börsenbrief Seither zählt ein kurzer Draht nach Fernost in die Anlagezentralen japanischer Brokerhäuser und Banken zum Minimum dessen, was die Zunft der schreibenden Tipgeber ihren Lesern glaubt offerieren zu müssen. „Japan mit massiven Käufen auf dem deutschen Markt“, verheißt der Düsseldorfer Effecten-Spiegel seinen Lesern auf der Titelseite. Steigt der Kurs irgendeiner deutschen Aktie, sehen sich die Börseninformationsdienste bestätigt: Überall steckt Japan-Kapital dahinter. So schwört der Frankfurter Börsenbrief, daß die Japaner die RWE-Aktie „im Visier haben“, daß für die Hochtechnologiefans aus Fernost Nixdorf eine „deutsche Wunder-Aktie ist“ und BMW wohl bald auf das Kommando aus Tokio hört, denn in München „will Honda einsteigen“.

Die Vermutungen haben einiges für sich. Japan droht gegenwärtig mit der Liquidität nicht fertig zu werden, die die gewaltigen Handelsüberschüsse, die hohe Sparquote und die Zurückhaltung der Industrie bei produktiven Investitionen dem Finanzmarkt des Inselreichs beschert haben.

Allerdings werden die deutschen Yen-Propheten vage, wenn es um die Quellen ihrer Botschaft geht. Mal berufen sie sich auf einen aus dem Geld-Mekka zurückgekehrten Besucher, dann wieder auf die Niederlassungen japanischer Brokerhäuser in der Bundesrepublik oder schlicht und einfach auf japanische Presseberichte.

Japaner werden jetzt gezielt eingesetzt, der Börse in Deutschland auf die Beine zu helfen“, meinen die Wertpapierexperten der Dresdner Bank in Tokio. Zwar registrieren auch die Aktienhändler der Dresdner Bank ein „gesteigertes Interesse japanischer Investoren für die deutschen Aktienbörsen“, warnen aber wie alle Kollegen aus anderen Wertpapierniederlassungen in der japanischen Metropole vor Stimmungsmache.

Wer an Stimmungsmache interessiert sein könnte, ist ein offenes Geheimnis. Geht doch an den deutschen Statthaltern der riesigen japanischen Wertpapierhäuser in Frankfurt und Düsseldorf mittlerweile so manches Geschäft vorbei, das bisher in deren Büchern notiert wurde. Denn kaum hatte die japanische Finanzaufsicht den heimischen Kapitalmarkt ein wenig liberalisiert, da gründeten die in Tokio niedergelassenen deutschen Großbanken – eine nach der anderen – eigene Wertpapierniederlassungen, die der japanischen Konkurrenz die Geschäfte jetzt streitig machen. „Bei denen besteht eine gewisse Flaute“, meint denn auch Alexander Bürkner, Chef der DG Securities, der Wertpapiertochter der Deutschen Genossenschaftsbank in Tokio. Deshalb hätten auch „lächerliche Gerüchte“ Konjunktur – in der Hoffnung, so das Geschäft allgemein anzukurbeln. Schließlich könnte dadurch auch wieder die eine oder andere zusätzliche Order für die japanischen Wertpapierhändler herausspringen.

Lüder Paysen kann das bestätigen. Dem Chef von BMW in Japan gingen die nicht unbedingt imagefördernden Gerüchte über Beteiligungsabsichten japanischer Autobauer auf die Nerven. Erst wurde Toyota mit BMW in Zusammenhang gebracht, jetzt wird ein Verhältnis mit Honda lanciert. Als auch die seriöse japanische Wirtschaftspresse vom Honda-Einstieg bei BMW berichtete, erkundigte sich Paysen bei der Zentrale des größten japanischen Brokerhauses Nomura nach den Quellen der Gerüchte. Die Nomura-Männer dementierten, „bekamen aber rote Köpfe, als ich ihnen geradeheraus erklärte, ihre Frankfurter Niederlassung sorge für diese Information“, berichtet Paysen.