Düsseldorf: „Museum der Gegenwart – Kunst in öffentlichen Sammlungen bis 1937“

Max Beckmann – Selbstbildnis im Smoking, 1927, vormals Nationalgalerie Berlin; Harvard University Museum (Busch-Reisinger-Museum). Henri Matisse – Liegender Akt, Terracotta, 1907, vormals Folkwang Museum, Essen; Statens Museum for Kunst, Kopenhagen. Lovis Corinth – Porträt des Malers Bernt Grönvold, 1923, vormals Kunsthalle Bremen; Kunsthalle Bremen. – Es sind die Anmerkungen zu den Bildern, die Geschichte darstellen in dieser Ausstellung. Es sind die lapidaren Hinweise auf Standorte und Erwerbungsdaten, die die Vernichtung deutscher Museumssammlungen beschwören, den nationalsozialistischen Bildersturm vor fünfzig Jahren, den Kampf gegen die „entartete Kunst“, schließlich die von den Nazis betriebene devisenträchtige Versteigerung beschlagnahmten Kunstbesitzes in Luzern, durch die vor allem Malerei des deutschen Expressionismus in viele Länder und Sammlungen verstreut (und gerettet) wurde. Etwa sechzehnhundert Bilder, Skulpturen und graphische Blätter waren davon betroffen. Wir wissen dies alles; wir vergessen es manchmal, wenn wir durch wohlgefüllte öffentliche Sammlungen flanieren; wir übersehen sogar, daß nicht wenige nach 1937 verlorene Bilder an ihre ursprünglichen Orte zurückgekehrt sind, besser, daß sie zurückgekauft wurden. Der gedankenlosen Unkenntnis vermag die Ausstellung der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf entgegenzuwirken – unter der Voraussetzung allerdings, daß ihre Besucher zur Erinnerung bereit sind. Ungefähr sechzig Werke, in sich eine prachtvolle Präsentation, zeichnen Spuren des „Säuberungskrieges“ nach. Sie gingen strahlend daraus hervor und sind längst Teil internationalen Kunstbesitzes geworden. Die Düsseldorfer Kunstsammlung will mit ihrer Veranstaltung auch Reichtum und Qualität der öffentlichen Sammlungen in Deutschland vor 1937 würdigen. Zugleich möchte sie auf die modernen Museumskonzepte der Weimarer Republik hinweisen. Das ist viel, wohl zu viel auf einmal und ohnehin vor allem durch die Lektüre des Katalogs zu erfahren. Die Schau eröffnet eine groß angelegte Veranstaltungsreihe Düsseldorfer Kulturinstitute: „1937. Europa vor dem Zweiten Weltkrieg.“ Dafür sind sieben Kataloge zu erwarten. Gelegenheit der Erinnerung genug. (Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Grabbeplatz, Katalog 24 DM) Ursula Bode