Genau ein Jahr ist Francesco Tatö Vorstandsvorsitzender der Nürnberger Triumph-Adler AG (TA) – jetzt wurde seine Stellung bei dem Schreibmaschinenhersteller, der im vergangenen Jahr vom italienischen Olivetti-Konzern übernommen wurde, deutlich gestärkt. Ein Beherrschungsvertrag zwischen Olivetti und TA soll ihm größeren Freiraum bei der Sanierung des Traditionsunternehmens geben. Der neue Vertrag begrenzt nämlich die bisherigen. Rechte des Aufsichtsrates, die ihm unter dem früheren Eigentümer VW eingeräumt worden waren.

Tatö fühlte sich vom 20köpfigen Gremium an schnellen Entscheidungen gehindert. Den als Sanierer bekannten Tatò ärgert offensichtlich die starke Stellung des Arbeitnehmerflügels im Aufsichtsrat und die dominierende Rolle des stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Ruppert, der in Nürnberg IG-Metall-Funktionär ist. „Der Hauptaktionär möchte bestimmen, was bei uns passiert“, so Tatò.

Der Italiener ist wild entschlossen, TA 1988 wieder in die schwarzen Zahlen zu bringen. Doch dazu muß er 580 000 Schreibmaschinen verkaufen – rund 100 000 mehr als in diesem Jahr. Gelingt ihm das nicht, kann TA nur aus den Verlusten herauskommen, wenn Werke wie in Berlin oder in Schwandorf geschlossen werden. „Wir denken im Moment nicht daran, einen Standort stillzulegen“, meint Tatò. Er sagt aber auch: „Wenn die nötigen Stückzahlen nicht kommen, dann haben wir ein Problem.“

Seitdem er die Geschäfte übernahm, hat er schon kräftig aufgeräumt. Die Belegschaft wird bis zum Ende dieses Jahres um 2000 Mitarbeiter auf 7000 reduziert sein. Auch die Chefetage wurde ziemlich leer. Von den ehemals sieben Vorstandsmitgliedern blieben nur noch drei: Außer Tatò noch Entwicklungschef Klaus Fritsch und Personalchef Rudolf Blank

Offenbar nicht im harmonischen Einvernehmen hat sich Tatò jetzt allerdings auch noch von Blank getrennt. Der 54 Jahre alte Blank war 1981 vom Volkswagen-Konzern nach Nürnberg gewechselt, nachdem das Automobilunternehmen Triumph-Adler übernommen hatte. Weil Blank, der zuvor 26 Jahre – zuletzt als stellvertretender Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats – in VW-Diensten stand, ein Rückkehrticket nach Wolfsburg hat, wird nun im Autokonzern ein angemessener Job für ihn gesucht.

Blanks Chancen, im Herbst des nächsten Jahres Nachfolger des dann ausscheidenden VW-Arbeitsdirektors Karl-Heinz Briam zu werden, sind entgegen Gerüchten allerdings nicht sehr groß. Wichtigstes Hindernis: Die Wolfsburger schatten zu preisen, um einer gesetzlichen Regelung zu entgehen.

Allerdings, oft schauen die Protagonisten der „viel wirkungsvolleren, weil an die Moral appellierenden“ (F. Wilhelm Christians von der Deutschen Bank) deutschen Insiderregeln wohl nicht in ihr Paragraphenwerk. Dann hätten sie nämlich längst feststellen müssen, daß ihre Bestimmungen nicht für den Anfang Mai an der deutschen Börse eingeführten sogenannten Geregelten Markt gelten. Bislang jedenfalls können Banken und Unternehmen ganz nach Belieben nur ihrer zugängliche Informationen zu eigenem Nutz und Frommen bei Betriebsräte sind, wie zu hören ist, dagegen. Bei VW, meint ein Kenner des Unternehmens allerdings, „läßt man niemanden verkommen“.