So schön Marokko auch ist: Selbsternannte Touristenführer trüben die Freude am Bummel in Basaren.

Betroffen ist jeder, der einmal allein durch eine marokkanische Stadt streifen möchte. Kaum hat man das Hotel oder den Bus verlassen, preisen sich junge Marokkaner als Führer an. Sie reden solange auf den Touristen ein, bis sie, eher unwillig, als Führer akzeptiert werden.

Es gibt nun in der Tat exzellente und sachkundige Führer, die dem Fremden Unbekanntes und Schönes zu zeigen vermögen. Doch die meisten Touren enden in einem Souvenirshop. Dort versuchen redegewandte Händler, dem Kunden Teppiche und Kunsthandwerk zu verkaufen. Beim Kauf erhält der Führer rund zehn Prozent Provision. Kaufen Sie nichts, erwartet er dennoch – oft entgegen seinen ursprünglichen Beteuerungen – ein kleines Entgelt. Falls Sie brav mitspielen, verläßt er Sie vielleicht: Sie haben Ruhe, bis der nächste kommt.

Falls Sie nicht allzu großen Wert darauf legen, allein durch die Medina zu spazieren, sollten Sie gleich zu Beginn einen Jungen anheuern und einen angemessenen Preis aushandeln. Eifersüchtig wird Ihr Begleiter die Konkurrenz von Ihnen fernhalten. Es gibt auch – nur über das Touristenbüro – offizielle Führer. Diese sind garantiert sachkundig, verlangen aber etwas mehr.

Doch gleich, wer Sie führt: Machen Sie auf jeden Fall vorher klar, daß Sie nichts kaufen wollen, weder Teppiche noch Haschisch. Auch die echten Stadtführer verdienen durch Provisionen dazu. Falls Sie länger an einem Ort bleiben, beruhigt sich das Treiben ohnehin nach wenigen Tagen. Denn weigern Sie sich hartnäckig, Souvenirshops zu betreten, spricht es sich schnell herum. Oft wird man gefragt, ob dies die erste Marokkoreise sei: Geben Sie Ihre Unerfahrenheit nicht preis. Und ein Student, der nur seine Fremdsprachen trainieren möchte, wird Sie keinesfalls einfach ansprechen. Wollen Sie Marokkaner kennenlernen, ist es am besten, selber die Initiative zu ergreifen.

Um mehr Geld zu bekommen, drohen „falsche“ Führer oft, Sie im Labyrinth der Medina allein zu lassen. Nehmen Sie auf jede Tour einen Zettel mit, auf dem in Arabisch „Ausgang“ und vielleicht Ihr Hotelname stehen. Damit können Sie sich auch allein durchfragen und Passanten um Hilfe bitten. Marockaner sind meist sehr hilfsbereit.

Wollen Sie niemanden um Hilfe bitten, so gehen Sie bis zu einer großen Gasse und folgen den Leuten mit frischem Brot. Viele Marokkaner bringen ihren Brotteig zum Bäcker in die Medina. Ist er fertig gebacken, gehen sie zurück in die Neustadt.