Von den großen Hoffnungen ist wenig geblieben

Von Gerhard Drekonja-Kornat

Panama-Stadt, im Sept.

Zwei Männer, ein drahtiger, energischer General und ein vom Alter bereits gezeichneter Schriftsteller, schaukelten auf dem panamesischen Pazifikinselchen Contadora in ihren Hängematten, tranken Whisky und dachten laut über die Zukunft der Region nach. Während der Schriftsteller zuhörte – er hatte schon viele Visionen gehört und gelesen –, schwärmte der General von „einem sozialdemokratischen Mittelamerika, das keine Bedrohung für die Vereinigten Staaten darstellen, aber vollkommen unabhängig sein sollte“.

Der Uniformträger war Omar Torrijos. Der Schriftsteller hieß Graham Greene. Er hat über seine Gespräche mit dem panamesischen Caudillo das Buch „Mein Freund, der General“ (deutsch beim Wiener Zsolnay-Verlag) geschrieben. Das Opus bekam nicht gerade aufregende Besprechungen: Graham Greene gehörte einer, wie man meinte, überholten Zeit an; und wen schließlich interessierte ein lateinamerikanischer General aus einem Operetten-Zwergstaat.

In Wirklichkeit war das Treffen in jenen späten siebziger Jahren eine Sternstunde. Denn Omar Torrijos hatte die neuen Panamakanalverträge mit den Vereinigten Staaten unter Dach und Fach gebracht und begann sich um den Konflikt in Mittelamerika, verursacht durch das Aufbegehren starker Volksbewegungen und Armutskulturen, zu kümmern. General Torrijos außerordentliches Prestige ließ eine Friedenschance denkbar erscheinen; er war auf dem Isthmus, der von schwachen Demokratien unter militärischer Bevormundung oder Militärregimen mit parlamentarischem Mäntelchen beherrscht wurde, ein starker Mann mit Autorität weit über die Grenzen hinaus. Doch im Juli 1981 stürzte der General auf einem seiner immer tollkühnen Inlandsflüge ab. Ohne den vermittelnden Mentor aus Panama nahm das mittelamerikanische Verhängnis seinen Lauf. Bis heute wollen die Gerüchte nicht verstummen, fremde Mächte und Geheimdienste hätten ihre Hände im Spiel gehabt, eine Bombe in das Flugzeug praktiziert. Beweise für ihre Behauptung sind die Ankläger immer schuldig geblieben, so daß nicht das Gerücht, sondern sein stetes Wiederaufleben ermessen läßt, wie groß der Verlust empfunden wird.

Ein weiterer Schriftsteller, Gabriel García Márquez, verbrachte noch viel mehr Nachmittage und Nächte mit dem General. Auch „Gabo“ schrieb oft über den hemdsärmeligen General, der in sprichwörtlichem Ausmaß soff, fluchte und hurte. Und doch widersprach niemand, als der kolumbianische Nobelpreisträger für Literatur beim Begräbnis des Generals, befragt von einem Fernsehreporter, antwortete: „Fue un santo!“ (Torrijos war ein Heiliger).