„Die Reise nach Berlin“ heißt eine der Ausstellungen, mit denen die ehemalige deutsche Hauptstadt ihre 750-Jahr-Feier zelebriert.

Zahlreiche Exponate und Kuriosa formen die Schau zu einem Spiegelbild von Reiselust und -leid quer durch die Jahrhunderte. Aus Zeiten, da des Schusters Rappen noch das übliche „Transportmittel“ waren, stammen beispielsweise die Schrittzähler aus Bronze oder Messing. Sie gehören im wiederhergerichteten Hamburger Bahnhof zu den Exponaten des 17. und 18. Jahrhunderts. Wer seine Schritte zählt, teilt wohl auch seine Tage ein: Der „immerwährende Taschenkalender“ aus purem Silber stammt aus derselben Epoche. Vom Tag zur Stunde war es für den Reisenden von einst nur ein kurzer Griff zu einem anderen Gerät, zur Taschensonnenuhr. In Berlin wird sie in verschiedenen Versionen vorgestellt, etwa mit eingebautem Kompaß.

Um 1730 wurde schon eine jener Apparaturen gebaut, die typisch sind für sogenannte „Reisehelfer“ – Geräte, die mehrere Funktionen verknüpfen. Die Rede ist von einer Kutscheruhr mit Datumsanzeige und Wecker. 1920 entstand aus dem damals hochmodernen Zelluloid ein Spiegelkompaß mit Fernrohr und Lupe. Die in einem Feldstecher versteckte „Geheim-Touristenkamera“ mit dem schönen Namen „Argus“ dürfte heute eher als Kuriosität belächelt werden.

Auch der Walkman hat, wie die Berliner Schau demonstriert, seine Vorläufer: vom Reiseharmonium bis zum „Pocket Phonographen“ in einer Blechbüchse, von der Taschengeige bis zum ersten Autoradio aus dem Jahr 1932. Die Autofahrer erfreuten sich ohnehin schon früh der Fürsorge einer einschlägigen Industrie. Ein Eifer, der auch bald die „Aeronauten“ einbezog. So wurden aus den Kutschöfen und „Fußwärmern für die Kutschenreise“ von 1850 schon 1916 elektrisch beheizbare Schuheinlagen, Handschuhe, Fußwadenwärmer und Brustwärmer – alles 1916 bei Siemens entstanden und gedacht für „Automobilisten und Flieger“.

Doch der Fortschritt machte auch nicht vor jenen Halt, die noch mit Stock und Hut voranschritten. Vor allem die Stecken hatten es den Erfindern angetan. So entstanden die „Systemstöcke“, von denen in Berlin ein paar Prachtexemplare zu bewundern sind. Der Stock „für Touristen und Botaniker“, Reichspatent von 1877, bietet beispielsweise Kompaß, Fünf-Minuten-Sanduhr, Thermometer, Äther-Behälter, Meßlatte und ein ausklappbares Messer. Das Messer fehlt allerdings einem anderen Stock, der ansonsten mit Rasierpinsel, Rasierseife in Elfenbeinfassung und Schaumschüssel alles für die Bartpflege bietet. Stöcke mit Würfeln, mit Blockflöte, mit Degen, mit Gewehr, mit Kamera, mit Messer und Gabel, mit Schirm, mit Billardqueue, mit Parfumflacon ergänzen die Sammlung von allem, was der Mensch so braucht, wenn er auf Reisen am Stock geht. ar

Die Ausstellung „Die Reise nach Berlin“ wird bis zum 1. November im einstigen Hamburger Bahnhof in der Invalidenstraße unmittelbar vor der Mauer gezeigt. Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 18, freitags bis 20 Uhr. Eintritt: sechs Mark. Auskunft: Tel. 0 30/3 94 27 52.